Zum Welttag der Ozeane: Prof. Jüstel über das größte Massenaussterben in der Geschichte der Erde

04.06.22
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Von FH Münster

Sorge um die Zukunft beim Blick in die Vergangenheit: Professor der FH Münster blickt auf den Perm-Trias-Faunenschnitt vor 252 Millionen Jahren zurück

Mikroplastik, Schwermetalle, Öl – die Ozeane sind in Gefahr, da sie immer stärkerer Verschmutzung ausgesetzt sind. Doch auch steigende CO2-Werte machen dem Meerwasser zu schaffen. Zum Welttag der Ozeane am 8. Juni blickt Prof. Dr. Thomas Jüstel vom Fachbereich Chemieingenieurwesen der FH Münster besorgt auf eine Umweltkatastrophe vor 252 Millionen Jahren zurück – den Perm-Trias-Faunenschnitt, der seinerzeit aufgrund hoher Kohlendioxidwerte eine Eutrophierung der Weltmeere und ein Massenaussterben zu Wasser und an Land zufolge hatte. Was Jüstel daran alarmiert: 2022 wird etwa 14-mal so viel CO2 pro Jahr ausgestoßen wie bei der globalen Katastrophe am Ende des Erdaltertums.

„Der Perm-Trias-Faunenschnitt war das größte Massenaussterben in der Geschichte der Erde. Schätzungsweise 95 Prozent der Lebewesen im Ozean und 75 Prozent der Lebewesen an Land sind zu dieser Zeit ausgestorben“, so Jüstel. Das Ereignis lässt sich inzwischen auf den geologisch gesehen kurzen Zeitraum von etwa 60.000 Jahren eingrenzen und markiert den Übergang vom Zeitalter des Perms in die Trias-Epoche, mit der das Erdmittelalter und somit die Zeit der Dinosaurier auf der Erde begann – und beschäftigt Forscher*innen wie Jüstel auch heute noch, die die Umweltverschmutzung im Blick haben und das Ereignis als Mahnung begreifen.

Der aktuellen wissenschaftlichen Literatur zufolge begann der Perm-Trias-Faunenschnitt durch Vulkanausbrüche im heutigen Sibirien. „Gemeinsam mit kilometerdicken Schichten ausgestoßener Vulkanasche und Lava wurden gigantische Mengen CO2 emittiert“, so Jüstel. „Das CO2 löste sich im Wasser und bildete Kohlensäure. Damit sank der pH-Wert, weshalb die Meere übersäuerten. Durch den zunehmenden Treibhauseffekt stiegen außerdem die Temperaturen an und die Gesteinsverwitterung an Land nahm zu. Mit ihnen gelangten mehr und mehr Mineralien ins Wasser. Deshalb eutrophierten die Meere und der Sauerstoffgehalt sank drastisch, sie wurden also ,anoxisch‘. Viele Organismen, die Sauerstoff benötigten, starben dadurch aus“, erklärt der Wissenschaftler. „Dies half aber wiederum den Schwefelbakterien, die wohl giftigen Schwefelwasserstoff bildeten. Das ist kurz zusammengefasst die Reaktionskette des Perm-Trias-Faunenschnitts.“

Heute belasten viele Schadstoffe und ein noch höherer CO2-Ausstoß die Meere. Jüstel rechnet aus, dass seinerzeit 2,6 Gigatonnen CO2 pro Jahr ausgestoßen wurden, heute seien es etwa 37 Gigatonnen pro Jahr. „Das alles führt zu Todeszonen im Ozean, die heute bereits lokal beobachtet werden“, sagt Jüstel. „Diese dürfen sich jedoch nicht global ausbreiten.“ Denn die Weltmeere sind verantwortlich für etwa 50 Prozent der Sauerstoffproduktion auf der Erde. Kippen die Ozeane, hat dies fatale Folgen für die Menschheit. „Uns geht dann sozusagen die Luft zum Atmen aus.“ Wichtig sei es daher, so Jüstel, das damalige Massensterben als Warnung dafür zu sehen, dass sich eine solche Katastrophe wiederholen könnte, falls der weltweite CO2-Ausstoß nicht drastisch verringert werde. „Bislang gibt es zwar keinen Beweis dafür, dass es so kommen muss, aber handeln müssen wir dennoch jetzt, damit wir dieses Szenario auf alle Fälle vermeiden!“







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