NABU zum 30-jährigen Natura-2000-Jubiläum: Ein Grund zum Feiern – und Nachbessern

22.05.22
UmweltUmwelt, TopNews 

 

Von NABU

Krüger: Deutschland hat Nachholbedarf / Konkrete Erhaltungs- und Entwicklungsziele definieren

Das Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 feiert Geburtstag: Am morgigen Natura-2000-Tag (21.5.) jährt sich der Beschluss der Richtlinie zum 30. Mal. Zu diesem Jubiläum hebt der NABU die Erfolge des Schutzgebietsnetzes im Kampf gegen die Naturkrise hervor. Der Umweltverband mahnt aber auch, endlich konkrete Erhaltungsmaßnahmen anzugehen, um vom Schutz auf dem Papier zu einem Schutz in der Natur zu kommen.

NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger: „Natura 2000 ist seit nunmehr 30 Jahren eine feste Institution im europäischen Naturschutz. Das Netzwerk schützt viele wertvolle Ökosysteme wie zum Beispiel Feuchtwiesen, Moore und Heiden. Für den effektiven Schutz aller Natura-2000-Gebiete muss Deutschland allerdings noch einiges nachholen. Wegen der Versäumnisse zum Schutz der Gebiete laufen aktuell gleich zwei Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission gegen Deutschland. Daher fordern wir Bunde und Länder auf, endlich konkrete Erhaltungs- und Entwicklungsziele für alle Gebiete festzulegen und deren Erreichung zu überwachen. Damit die Schutzgebiete nicht nur auf dem Papier, sondern durch konkrete Erhaltungsmaßnahmen geschützt werden, ist die Bundesregierung dazu angehalten, ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.”

Jennifer Krämer, Referentin für Naturschutzpolitik: “Der Gedanke hinter Natura 2000 ist genau das, was die Natur in Deutschland und Europa braucht: Ein großes und grenzübergreifendes Netzwerk von besonders wertvollen Naturräumen. Mit ihnen können wir beim Erhalt der Biodiversität einen großen Schritt nach vorne machen. Dafür braucht es in den Gebieten jedoch echten Schutz für alle eingeschlossenen Lebensräume und Arten. Ein wichtiger Hebel ist hierbei die Naturschutzfinanzierung: Sie muss ausreichend Mittel für die Schutzgebietsarbeit zur Verfügung stellen und Landnutzerinnen und Landnutzern wirkliche Anreize für Schutzmaßnahmen bieten.”

NABU-Erfolgsprojekte und Aktionen zum Natura-2000-Jubiläum
Auch der NABU engagiert sich aktiv für den Erhalt und die Pflege einiger Natura-2000-Gebiete. So zum Beispiel auf der Trockenrasenfläche “Langen-Damm-Wiese" in Brandenburg, im Projekt “Lebendige Luppe” im Leipziger Auwald oder die Saalbachniederung bei Hambrücken/Bruchsal in Baden-Württemberg. Wer Lust hat, die Schutzgebiete bei Führungen oder mit dem Fahrrad zu erkunden, kann an den vielfältigen NABU-Aktionen und Veranstaltungen rund um den Geburtstag teilnehmen – etwa über das Naturerlebnis- und Radroutingportal „Natur erleben NRW“ oder bei der Natura2000-Challenge des NABU Thüringen.

Hintergrund: Natura 2000 Schutzgebietsnetzwerk
Natura 2000 ist das weltweit größte zusammenhängende Netz von Schutzgebieten. Das Netz soll gefährdete Pflanzen- und Tierarten sowie ihre natürlichen Lebensräume länderübergreifend schützen. Allein in Deutschland bedeckt es mit über 5.000 Gebieten mehr als 15 Prozent der Land- und rund 45 Prozent der Meeresfläche. Natura 2000 setzt sich aus den Europäischen Vogelschutzgebieten von 1979 und den Schutzgebieten nach der Fauna-Flora-Habitat-(FFH)-Richtlinie als Teil der EU-Naturschutzrichtlinien zusammen. Diese erlaubt die wirtschaftliche Nutzung in Schutzgebieten, solange die dort geschützten Erhaltungsziele nicht wesentlich beeinträchtigt werden.

Hintergrund: Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland
Schon von Beginn an stockte die Umsetzung von Natura 2000. Deutschland tat sich schwer, überhaupt die entsprechenden Gebiete nach Brüssel zu melden, die Naturschutzverbände mussten die Gebietsmeldungen aktiv begleiten. Inzwischen sind die meisten Gebiete rechtlich gesichert. Aktuell laufen jedoch zwei Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland: Das erste hat die EU-Kommission eingeleitet, da Deutschland die Natura-2000-Schutzgebiete oftmals nicht hinreichend rechtlich gesichert und die Erhaltungs- und Entwicklungsziele für jedes Gebiet zu ungenau festgelegt hat. Außerdem unternimmt Deutschland für die Gebiete keine oder nur unzureichende Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Ein weiteres Verfahren betrifft Grünland-Lebensraumtypen (sog. "Mähwiesen"). Hier rügt die EU-Kommission, dass Deutschland diesen Lebensraum zu wenig überwacht und trotz kontinuierlicher Verschlechterung seines Zustands nur unzureichende Erhaltungsmaßnahmen durchführt. Beispielsweise gibt es in vielen Schutzgebieten keine Verbote oder Gebote zur Mahd oder Düngung, um die Mähwiesen zu schützen. Darüber hinaus werden Landwirtinnen und Landwirte nicht ausreichend für ihre Pflege entlohnt.

Weitere Infos zu Natura 2000

Fragen und Antworten zu den EU-Naturschutzrichtlinien

Naturschutzklage gegen Deutschland wegen unzureichendem Grünlandschutz







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