Buchneuerscheinung: "Das Wunder von Mals. Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet"


Bilder: Oekom Verlag


10.08.17
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Bewegungen, Internationales, Kultur 

 

Von Oekom Verlag

Widerstand säen und wachsen lassen

Pestizide! Überall auf der Welt sind sie auf dem Vormarsch. Überall? Nein! Das von unbeugsamen Vinschgern bewohnte Dorf Mals in Südtirol hört nicht auf, diesem Eindringling Widerstand zu leisten...

Die Malser sind wild entschlossen: Ihr Dorf soll zur ersten Gemeinde Europas werden, die den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft verbietet. Bei einer Volksabstimmung entschied sich eine Mehrheit für eine Zukunft ohne Glyphosat & Co. Ein ungleicher Kampf beginnt: hier die 5000-Seelen-Gemeinde, angeführt von einem Dutzend charismatischer Querdenker, dort eine übermächtige Allianz aus Bauernbund, Landesregierung und Agrarindustrie. In dem am 4. September 2017 erscheinenden Buch »Das Wunder von Mals. Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet« > erzählt Filmemacher, Autor und Neu-Malser Alexander Schiebel die Geschichte dieses Aufstands – und enthüllt das »streng geheime« Rezept jenes Zaubertrankes, der die mutigen Malserinnen und Malser unbesiegbar macht.

Mals liegt im Oberen Vinschgau, am Rande des größten Apfelbaugebiets in Europa, inmitten einer intakten, über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft: wogende Kornfelder, grüne Wiesen, Rinder und Schafe, Obst und Gemüse, kleine Baumgruppen dazwischen, gewundene Wege und Pfade. Weiter westlich, im Unteren Vinschgau, sucht man diese Vielfalt vergeblich. Kilometer um Kilometer nichts als Apfelplantagen. Zurechtgestutzt für die Bedürfnisse der Pflücker, sieht ein Baum wie der andere aus. Der Abstand zwischen den Baumreihen entspricht genau der Breite des Sprühwagens, der rund zwanzig mal pro Jahr ausrückt. So oft werden die Pflanzen in giftige Nebel gehüllt, mit Pestiziden behandelt.

Dass auch dem Oberen Vinschgau die Monokultur-Pestizid-Dampfwalze droht, liegt nicht zuletzt an den sich ändernden klimatischen Bedingungen. Da es immer wärmer wird, könnten nun auch hier Äpfel angebaut werden. Doch Mals wehrt sich! In einer Bürgerinitiative machte es sich 2013 auf, ein Pestizidverbot in ihrem Dorf durchzusetzen, sammelte Unterschriften, gewann 2014 einen Bürgerentscheid und konnte bei der Kommunalwahl ein Jahr später auch den Widerstand im Gemeinderat brechen. Anfang 2016 änderte der neue Gemeinderat die Gemeindesatzung: Strikte Abstandsregeln verhindern seitdem die Anwendung von Pestiziden in Mals.

»Widerstand ist etwas, das man lernen kann – wie Skifahren«, sagt Alexander Schiebel. Sein Buch über »Das Wunder von Mals« ist das lebendige Porträt einer Gemeinde und ihrer widerspenstigen Heldinnen und Helden, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen möchten; und eine Anleitung für Aufständische – weit über die Grenzen Südtirols hinaus.

Alexander Schiebel, »Das Wunder von Mals. Wie ein Dorf der Agrarindustrie die Stirn bietet«, 256 Seiten, Klappenbroschur, 978-3-96006-014-7, 19 Euro /19,60 (A). Auch als E-Book erhältlich.

 

 

 







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