Tierschutz in Deutschland: Vier Jahre Stillstand


11.12.19
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Von Vier Pfoten

VIER PFOTEN: Tierschutzbericht der Bundesregierung ist ein Armutszeugnis

Die internationale Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat den heute von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner vorgestellten Tierschutzbericht der Bundesregierung scharf kritisiert und als Armutszeugnis bezeichnet. Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer VIER PFOTEN Deutschland: „Nach wie vor werden Ferkel betäubungslos kastriert, männliche Küken nach dem Schlüpfen getötet und Welpen im Internet unreguliert von Kriminellen verkauft. Bei einem nur alle vier Jahre erscheinenden Bericht bedeutet dies vier Jahre Stillstand für den Tierschutz. Das im Bericht als Highlight angepriesene freiwillige Tierwohlkennzeichen ist in Wahrheit ein Tiefpunkt für den Tierschutz: Es täuscht die Verbraucher und hilft den Tieren nicht. Auf die Spitze treibt es die Ministerin mit dem Versuch, die illegale Haltung von Sauen in zu engen Kastenständen nachträglich zu legalisieren. Der aktuelle Tierschutzbericht ist ein Armutszeugnis und Augenwischerei, denn er enthält tatsächlich keinen Tierschutz.“

 

Die größten Defizite im deutschen Tierschutz:

Intensivtierhaltung

  • Zuchtsauen: Trotz eines rechtsgültigen Gerichtsurteils werden Sauen immer noch rechtswidrig in viel zu engen Kastenständen (körpergroßen Käfigen) gehalten. Anstatt dem Urteil zu folgen und Behörden und Landwirte zu verpflichten, diese Vorgaben umzusetzen, will Ministerin Klöckner das Urteil ignorieren und die zu kleinen Kastenstände mit einem perfiden Trick legalisieren: Der entsprechende Passus soll aus der überarbeiteten Haltungsverordnung für Schweine gestrichen werden.
  • Bereits bis Ende 2018 sollte die betäubungslose Ferkelkastration verboten werden – stattdessen gab es einen Aufschub um zwei weitere Jahre. Jetzt forciert das Ministerium eine Methode, bei der Landwirte selbst mit Isofluran betäuben dürfen. Ein Eingriff, der medizinischen Fachkräften vorbehalten sein sollte.
     
  • Leidvolle Lebendtiertransporte in Drittstaaten sind weiter erlaubt. Eine Datenbank mit Informationen über Transportrouten oder mehr Kontrollen werden die Qualen der Tiere nicht beenden.  
     
  • Millionen männlicher Küken werden weiter aus rein wirtschaftlichen Gründen getötet. Und dies, obwohl im Koalitionsvertrag steht, dass das Kükentöten bis zur Hälfte der Legislaturperiode beendet werden sollte. Mittlerweile ist von Ende 2021 die Rede. Die technischen Lösungen zur Früherkennung männlicher Küken sind immer noch nicht marktreif und tierschutzfreundlichere Alternativen wie das Zweinutzungshuhn werden kaum forciert, obwohl sie der einzig sinnvolle Weg sind, um sogenannte „Wegwerf-Tiere“ zu vermeiden.

Illegaler Welpenhandel und Qualzucht

  • Laut Koalitionsvertrag wollte das BMEL bis zur Mitte der Legislatur konkrete Maßnahmen vorlegen. Doch bis heute gibt es beim illegalen Welpenhandel keine wirksamen Maßnahmen. Weder gibt es ernstzunehmende Bestrebungen seitens des Ministeriums, den Handel einzudämmen oder Kontrollen einzuführen, noch werden Online-Plattformen strenger reguliert. So werden durch den anonymen Welpenhandel zu junge, kranke und ungeimpfte Tiere angeboten und die Anonymität des Internets verhindert meist eine Rückverfolgung. Daher haben skrupellose HändlerInnen keine Strafen zu befürchten. Während die Regierung untätig bleibt, reagieren die Bundesländer und reichten einen Antrag beim Bundesrat ein, der die Bundesregierung zum Handeln auffordert.
     
  • Zwar sollen laut Verordnung Qualzucht-Ausstellungen verboten werden, bei denen die entsprechenden Rassen zur Schau gestellt werden. Doch wird die eigentliche Tierschutzproblematik so nicht gelöst, denn im Gesetz fehlen detaillierte Angaben, was unter Qualzucht fällt.

Zirkustiere und exotische Heimtiere

  • Gravierende Tierschutzprobleme in Zirkussen: Während zahlreiche Länder bereits strikte Verbote oder Einschränkungen im Hinblick auf Wildtiere in Zirkussen erteilt haben, ist Deutschland weiterhin Schlusslicht. Erst kürzlich hat die GroKo einen entsprechenden Antrag wieder abgelehnt. Und das, obwohl der Bundesrat schon mehrfach Initiativen zum Wildtierverbot angestoßen hatte.
     
  • Nicht besser bei den exotischen Heimtieren: Es bleibt unklar, wie hier die oftmals problematische Haltung durch überforderte BesitzerInnen reguliert werden soll. Obwohl Verbesserungen angekündigt waren, wurden diese bislang nicht umgesetzt Dabei liegt schon seit Juni 2018 der Abschlussbericht der Exopet-Studie zur Haltung exotischer Tiere und Wildtiere in Privathand vor, der die Probleme und möglichen Maßnahmen darlegt.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:
www.vier-pfoten.de
 

 

 

 







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