Hartz IV macht einsam! Eine kalte Gesellschaft frisst ihre Kinder


Acheron-Verlag

24.06.12
SozialesSoziales 

 

von Liane Steiner

SCHAU NICHT WEG

Hartz IV macht einsam!
Läßt Dich hungern, frieren…
Einen Partner findest Du in Hartz IV nicht mehr...
Bis der Tot uns scheidet.

Meine lieben Freunde,

immer wieder höre/lese ich, dass fast jede/r nach sozialen Kontakten sucht. Mit meiner Hilfe bei „Problemen mit der ARGE“, wird mir immer erzählt, dass es nichts mehr zu essen gibt, dass eine Zwangsräumung ansteht, und so weiter. Doch das größte aller Probleme: Es ist niemand an Deiner Seite, der Dir Hoffnung gibt, der versucht, Dir zu helfen. Denn Hartz IV gibt ein „Ausgehen“, Kontakte pflegen, finanziell nicht her. Du bist verzweifelt einsam. Die Kontaktarmut ist geboren.

Aber, wie kommt es dazu?

An 1. Stelle steht der Verlust Deiner Arbeitsstelle. Du hast Verpflichtungen, Du grübelst, Du machst Dir wahnsinnige Sorgen, wie es weiter gehen soll. Darunter „leidet“ Dein Partner, der so gar nicht verstehen kann, über was Du Dir solche Sorgen machst. Schließlich leben wir in einem Sozialstaat. Es geht immer irgendwie weiter. So schlimm wird es schon nicht werden, denkt er. Lassen wir es auf uns zukommen….

Du hast eine dieser „Niedriglohnstellen“ gehabt, froh, überhaupt etwas verdienen zu können, sich nicht in die langen Reihen der „faulen, schmarotzenden, saufenden, TV-konsumierenden Arbeitslosen“ einreihen zu müssen. Du bist stolz! Gemeinsam können wir alles schaffen…

Der Bescheid zu dem Arbeitslosengeld liegt im Briefkasten. Ein Schock. Du mußt nun auch noch „aufstockend“ Hartz IV beantragen. Deine Angst nimmt zu, Dein Partner kann Dich nicht verstehen. Du machst Dir Sorgen, um Deine Kinder. Wenn die Nachbarn, die Mitschüler erfahren, dass wir Hartz IV Empfänger geworden sind! Meine Kinder müssen das ausbaden. Apropos, baden: Kann ich es mir noch leisten, sie ins Schwimmbad gehen zu lassen? Werde ich ihnen noch ein Eis kaufen können? Die Scham schleicht sich ein. Du sehnst Dich nach Verständnis, Trost. Noch wagst Du es nicht, dem Rest zu beichten: Ich bin arbeitslos, ich muss Hartz IV beantragen.

Mit einem „flauen Gefühl“ im Magen, machst Du Dich auf den Weg zur ARGE. Du betrittst das Büro Deiner Sachbearbeiter/in. Schon der Empfang ist kühl, Du musst Deine Unterlagen vorlegen, Dein ganzes Leben vor einer fremden Person ausbreiten. Am liebsten möchtest Du aufstehen, davon laufen. Kopfschüttelnd, entsetzt, über Deinen „verschwenderischen Lebensstil“, wirst Du harsch über Deine Mitwirkungspflichten „informiert“. Du fühlst Dich dieser fremden Person ausgeliefert, wo ist mein „Partner“? Gerade jetzt!

Es kommt noch schlimmer: Du sollst Dir eine kleinere „angemessene“ Wohnung suchen! So geht das nicht. „Schmarotzerin“ steht im Raum. Du weist daraufhin: „.. ich bin nicht wie die ganzen anderen Arbeitslosen! Ich möchte wieder Arbeit finden. Haben Sie da irgendetwas für mich?“ Kopfschütteln, aber: „Wenn Sie sich wirklich bemühen, ordentliche Bewerbungen schreiben, werden Sie auch wieder in Anstellung kommen.. Es liegt einzig an Ihnen“! Es hört sich an wie eine Anklage. Du hast schon nach Stellen gesucht. Aber es war nichts für Dich dabei. Verhöhnt diese Person Dich? Wie demütigend, verachtend geht diese Person mit mir um?!

Je länger Du da sitzt, umso mehr duckst Du Dich. Mögliche Sanktionen werden Dir aufgeführt, wenn Du nicht…. Ja, was denn eigentlich? Was sollst Du denn noch tun, außer zu beteuern, dass Du alles tun wirst, um wieder Arbeit zu finden. Du fühlst Dich der Willkür eines fremden, unfreundlichen Menschen ausgeliefert. Als erstes sollst Du eine andere Wohnung finden. Du bekommst Werte für Wohnungen genannt. Bist schockiert. Von so billigen Wohnungen hast Du noch nie gehört. Wo soll ich das finden. Der unmögliche Sachbearbeiter zuckt die Achseln. „.. Dein Problem, ich habe mir das nicht ausgedacht..“! Du bist sprachlos! Was hast Du jetzt wieder Falsches gesagt? Deine Nerven liegen blank, in Dir herrscht ein Gefühlschaos.

Wieder zu Hause, erzählst Du Deinem Partner unter Tränen, was Du Dir hattest anhören müssen: „.. Du glaubst nicht, wie unverschämt diese/r Sachbearbeiterin war..“. Reaktion: „.. das bildest Du Dir nur ein. Du bist überempfindlich… Beruhige Dich erst mal wieder..“. Versteht der denn nicht, in was für einer beschissenen Lage wir uns befinden. Dass wir uns eine andere Wohnung suchen müssen, geht an ihm vorbei. Das mußt Du machen. Schließlich bist Du jetzt zu Hause und hast Zeit. Die Angst sitzt in Deinem Magen. Er „dreht sich um“. Warum glaubt der mir nicht, dass es so schlimm war? Du bist beleidigt, er scheint Dir nicht zugehört zu haben. Die Enttäuschung sitzt tief. Dein Zuhause, das Du mit viel Liebe geschaffen hast, geht auch verloren. Du fühlst Dich schon jetzt entwurzelt.

Und er? Ist gereizt. Zieht sich immer öfter zurück. Angeblich ist er mit seinen Freunden unterwegs. „..Du wirst immer unerträglicher mit Deinem Gejammer! Andere schaffen das auch! Du hast gar keinen Grund, so ein langes Gesicht zu ziehen..“. Ich bin dann mal weg. Du brauchst nicht auf mich zu warten, es könnte später werden..“. Langsam stirbt das Lachen in unserer Familie. Wann haben wir das letzte Mal zusammen gelacht?

Die 1. Nacht, die Du weinend im Bett liegst. Unendlich traurig.. So macht das Leben keine Freude mehr! Es wird nicht die letzte schlaflose Nacht sein. Du musst an Deine Kinder denken. Was sind wir für ein Paar? Es ist doch auch seine Verantwortung?!

1 Jahr später:

Er hat eine Neue. Ist bei ihr eingezogen. Mit ihr wäre das Leben einfacher, unkomplizierter. Du bist nicht mehr die Frau, in die ich mich verliebt hatte. Und Unterhalt kannst Du erst mal vergessen.

Wir sind in eine kleine „Wohnung“ gezogen. Es regnet herein, der Vermieter behandelt mich und die Kinder wie Abschaum. Du hast es nicht geschafft, den Anforderungen der ARGE Genüge zu tun. Die „Bude“ ist immer noch zu teuer. Wir dürfen zwar bleiben, aber die volle Miete wird nicht übernommen. In der Schule werden die Kleinen gehänselt. Sie haben nicht die „richtigen Klamotten“ an. Du bist froh, wenn Du ihnen Unterwäsche kaufen kannst, Schuhe brauchen sie auch dauernd neu. Sie wachsen noch. Den Rest musst Du in der Kleiderkammer besorgen. Modisch ist das natürlich nicht! Außerdem hat sich herumgesprochen: Wir müssen von Hartz IV leben. „Freunde“ haben Dich bei der „Tafel“ gesehen. Am liebsten wäre ich im Erdboden versunken. Aber Hartz IV reicht nicht, um uns den ganzen Monat zu ernähren. Und die Schule hat auch immer neue Anschläge auf Deinen Geldbeutel: Kopien, Ausflug, basteln.. u.s.w. Du hast keine Ahnung mehr, wie Du Dich drehen und wenden sollst. Die Familie habe ich zu oft angebettelt. Sie sagen Dir, “.. es wird Zeit, dass Du wieder eine Arbeitsstelle findest. So geht das nicht weiter! Und die armen Kinder.. je länger Du in Deinem Beruf nicht arbeitest, desto schwerer wird es, überhaupt etwas finden…“.

Als wenn Du das nicht wüsstest. Die Kinder mussten aus dem Sportverein austreten. Ihre Freunde kommen nicht mehr zu Besuch. Auch sie sind einsam geworden.. Die Gesellschaft hat uns ausgeschlossen. Du fühlst Dich diskriminiert. Warum eigentlich? Weil Du arbeitslos geworden bist? So gerne würdest Du Deinen Kindern ab und zu ein schönes Buch kaufen. Lesen bildet. Weihnachten kommt jedes Jahr so schnell.

Unzählige Male musstest Du sinnlosen „Einladungen“ zur ARGE Folge leisten. Jedes Mal war es schlimmer, als zuvor. Du ziehst nur noch den Kopf ein, bis die Sachbearbeiter fertig mit Dir sind. Wie ein geprügelter Hund schleichst Du wieder davon. Wo ist meine Persönlichkeit geblieben, fragst Du Dich zornig? Hoffnung, aus dem Schlamassel heraus zu kommen, hast Du nicht mehr.

Du verspürst Zorn, wirst wütend, wenn Du auch nur an den Umgangston der ARGE-Mitarbeiter denkst.

Bei Dir erwacht die Sehnsucht nach einem Partner, auf den Du Dich verlassen kannst. Der ein oder andere aus Deinem Bekanntenkreis hat Dich schon angesprochen: „.. so eine attraktive Frau, wie Du..“. Ich möchte Dir helfen. Versprochen! Doch er denkt nur an sich, sucht eine schnelle Nummer fürs Bett..

Wo und wie kannst Du jemanden kennenlernen, der es ehrlich mit Dir meint, der Dich nicht auch noch ausnutzen möchte? Es fällt so schwer, den Strom zu bezahlen. Auch die Mietüberweisungen jeden Monat werden immer schwerer. Du hast Angst, dass Du obdachlos wirst. Du wagst es im Winter kaum, zu heizen. Oft frierst Du. Deine Verzweiflung nimmt zu. Wie lange wirst Du noch durchhalten? Die Sachbearbeiter der ARGE scheinen Dich schikanieren zu wollen. So kommt deren Verhalten bei Dir an. Und nicht nur bei Dir. Auch andere Betroffene jammern. Aber keiner wagt es, den Mund aufzumachen. Wenn Du nicht zur ARGE musst, bist Du isoliert in dieser elenden Bude, die Du hasst! Es fehlt nur noch, dass Du krank wirst. Zum Zahnarzt musst. So oft hast Du schon gehört, dass die Dich ausnehmen, Dir Behandlungen verkaufen, die Du nicht bezahlen kannst! Fällt Dir ein Zahn aus, sieht das so hässlich aus! So findest Du keinen Partner mehr. Wenn Dich jemand sieht, ist er gleich bedient. Dich will keiner mehr haben. Mittlerweile bist Du so verängstigt, dass Du es nicht mehr wagst, unter Menschen zu gehen. Und leisten kannst Du es Dir auch nicht. Einen Kaffee trinken gehen? Unmöglich! Du bist einsam, es gibt keinen Weg mehr aus dieser Situation, denkst Du.

Niemals hättest Du Dir vorstellen können, dass Dir einmal so etwas passiert! Heute ist Dir klar: Es kann jeden treffen!

Einen Partner findest Du auch nicht mehr. Du bist mit Hartz IV völlig isoliert! Solange Du und jeder andere nicht aufmucken, wird sich das nie wieder ändern.. Die Politk und der “Sozialstaat” haben Dich im Stich gelassen.. Einsam..

Hartz IV hat Dich gefangen, bis zum Tot. In unendlicher Traurigkeit…

QUELLE: Liane Steiner
FOTO: http://www.acheron-verlag.de/buecher-acheron-verlag/

https://mantovan9.wordpress.com/2012/06/24/hartz-iv-macht-einsam-eine-kalte-gesellschaft-frisst-ihre-kinder/

 


VON: LIANE STEINER






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