Die Ehe für alle – eine existentielle Frage unserer Gesellschaft? - Eine Betrachtung von außen


Bildmontage: HF

27.06.17
SozialesSoziales, Debatte, TopNews 

 

Von Jürgen Heiducoff

DALIAN – Volksrepublik China

Das Kardinalproblem in diesen Tagen des beginnenden Wahlkampfes scheint die Ehe für alle zu sein. Das Problem der Ehe für alle bestimmt die Schlagzeilen.

Das ist so absurd, dass selbst in den Medien des Fernen Ostens darüber berichtet wird. Nur hier tut man sich schwer, das Problem zu erkennen. Warum: sicher nicht, weil die Chinesen Hinterweltler sind. Das kann man ihnen nicht vorwerfen. Sie sind traditionsbewusst und der Zukunft gegenüber aufgeschlossen zugleich. Und in diesem Kontext ist auch die Einstellung der Mehrheit der Chinesen zu Familie und Ehe zu betrachten. Die Familie und vor allem die Alten sind so etwas wie ein Heiligtum, während sich die Ehe auch zu entheiligen beginnt. Eine extreme Belastungsprobe sind die langen Phasen des Getrenntlebens bedingt durch die hohe Flexibilität, die das Erwerbsleben fordert. Darunter leiden auch hier vor allem die Kinder.

Die Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung in China ist atemberaubend. Allerdings widerspiegelt sich diese Dynamik auch im sozialen Leben, wenn auch mit Verzögerungen. Dennoch hat sich das Leben der jungen Generation hier gegenüber dem ihrer Eltern und erst recht Großeltern fundamental verbessert.

Die von unserer völlig abweichende Kultur hier bringt auch völlig andere Probleme hervor. Die Ehe für alle gehört definitiv nicht dazu.

Und bei uns: Ist das Thema „Ehe für alle“ ein akutes gesamtgesellschaftliches Problem?

Ein Existenzmarker der Gegenwart und Zukunft?

Es ist nachvollziehbar, dass sich die Menschen, für die dies ein Problem ist, nun endlich wahr genommen fühlen. Doch wie groß ist der Anteil derer, die das betrifft?

Mit der politischen Schwerpunktsetzung auf die Ehe für alle werden die existentiellen Gefahren für unser aller Gemeinwesen grob vernachlässigt und in den Hintergrund gedrängt:

–                    die Frage von Krieg oder Frieden, um die Zerstörung unserer Zivilisation zu verhindern,

–                    der Schutz unserer Umwelt, um einer Klimakatastrophe zu entgehen,

–                    die rapid zunehmenden sozialen Verwerfungen in unserem Land und weltweit, um der gewaltsamen Lösung der sozialen Frage durch Bürgerkriege zu begegnen,

–                    die Beseitigung der Ursachen für Terror und Flucht.

Die Politik kann nicht alle Fragen und Probleme gleichzeitig lösen. Aber sie sollte Prioritäten setzen. Und die Ehe für alle scheint mir gegenwärtig nicht das wichtigste Problem zu sein.







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