Im Detail betrachtet: Wie ich als Kind die (Vorweihnachts)Welt sah und wie ich sie heute empfinde


Bildmontage: HF

23.12.15
SozialesSoziales, Kultur, Debatte, TopNews 

 

Von Jürgen Heiducoff

Ich bin ein Nachkriegskind. Ich wuchs in sehr bescheidenen Verhältnissen heran. Und dennoch erinnere ich mich mit zunehmendem Alter gern an diese Zeit.
Es ist wieder einmal Adventzeit – Zeit der Besinnung und Zeit der Erinnerung.
Da ist das Modell der Krippe und dort stehen die Pyramide und der Schwippbogen (auch Schwibbogen).
Erinnerungen an die eigene Kindheit sind an diese Reliquien geknüpft.
Der Blick auf die Krippe widerspiegelt zunächst eine statische kleine Welt, eine Welt des Stillstandes, aber auch der Hoffnung und Erwartung.
Anders der Blick auf die Pyramide. Da ist Bewegung im Spiel, wenn auch stets „nur“ kreisend.
Doch auch das hat „Bewegung“ so an sich. Die kreisende Bewegung der Räder bringt uns voran. Die Arbeiterbewegung, über die der Arbeiterveteran uns Kinder unterrichtete, strebte bestimmte Ziele und Rechte an. Wirklich erreicht wurde immer nur ein Teil davon.
In meinem kleinen sächsischen Bergarbeiterdorf beobachtete ich täglich, wie morgens viele Menschen aus den Gassen kamen und hin zu den Bushaltestellen strebten, um zur Arbeit in die Tagebaue und Kombinate zu fahren. Sechs mal die Woche – morgens hin und abends zurück. Was empfand der Heranwachsende? Es war vor allem diese energiespendende Dynamik. Alle diese Menschen bewegten sich im Interesse eines Zieles: des Aufbaues und der Vervollkommnung unserer Gesellschaft, die noch immer unter den Wunden des Krieges litt. Kindliche Emotionen – sicher. Aber immerhin – sie verliehen dem Körper die nötige Kraft, um den nicht leichten Alltag zu bewältigen. Neben der Schule hatte ich die Pflicht, in der kalten Jahreszeit die Öfen zu heizen, das Kleinvieh zu füttern und in der warmen Zeit den Garten zu bewässern. Ich sah die unmittelbaren Resultate meiner Mühe: die warme Stube und das Gedeihen von Gemüse und Blumen.
Anders heute die Psychose des abstrakten Wachstums. Die Menschen, die das Glück haben, gesund zu sein und einen guten Job zu haben sind dem permanenten Druck dieser Psychose ausgesetzt. Dieser Drang nach „immer mehr“ und „immer schneller“ zerstört unsere Umwelt und damit unser aller Lebensgrundlage. Selbst an den Wochenenden und in der Adventzeit fällt es schwer, Einhalt zu gebieten und die Ruhe dieser Zeit zu genießen. Das macht immer mehr Menschen krank – psychisch krank.
Und dann ist da die Informationsflut, die uns mitzureißen droht. Medien, Internet, iPhone. Dies macht uns nicht unbedingt klüger. Es verwässert eher unser Weltbild. Und es ist ermüdend.
Seit die Menschen in der digitalen Welt vernetzt sind, besteht nicht unbedingt der Bedarf, sich persönlich zu treffen und auszutauschen. Wir vereinzeln zunehmend. Damit sind wir besser manipulier- und führbar.
Der Tag beginnt in der Regel mit einem Blick auf die Mail – Seite. Doch um an diese zu gelangen, muss man sich durch die Menge der Werbung und des entblößten Fleisches arbeiten. Wie entwürdigend vor allem für Frauen.
Aber wen interessiert schon noch die „Würde“ des Menschen? Ist zwar ein Schlüsselwort unseres Grundgesetzes aber eben im Konjunktiv.
In dem Maße, wie das Kind zum Erwachsenen heranwächst, verdrängen Klugheit und Nüchternheit die Naivität oder Ergebenheit und Trägheit.
Die Erkenntnis, an vielen und immer mehr Konstanten“ unseres Lebens nicht vorbei zu kommen, kann lähmen. Da ist zum Beispiel die unausweichliche Pflicht eines jeden, die Kosten des Systems mitzutragen. Obwohl von einem Großteil der Bevölkerung nicht gewollt und durch die „Eliten“ am Volk vorbei beschlossen, wird der einzelne an den Kosten beteiligt. Das betrifft die Kriege ebenso wie die Rüstungsexporte. Wer Einkünfte hat, ist zur Einkommensteuer verpflichtet. Wenn er dann mit seinem Netto Waren kauft oder Dienstleistungen in Anspruch nimmt, wird er nochmal zu 19% Mehrwertsteuern verdonnert. Dem braven Bürger bleibt unklar, wofür seine Steuern konkret verheizt oder vergeudet werden.
Und schon bin ich wieder meinem kindlich naiven Weltblick erlegen, wie das Männern so eigen sein kann:
Ich halte mich derzeit im kalten Nordosten Chinas auf. Bin weit und breit die einzige Langnase. Wenn ich morgens zum Gemüsemarkt gehe und bei diesem oder jenem durchfrorenen Händler gegen extrem geringe Preise einkaufe, dann weiß ich, dass da niemand Steuern erhebt, die nicht erklärbar sind. Mir ist in diesem Moment klar, dass ich mit diesem Kauf weder zur Finanzierung einer Propaganda-, noch einer Kriegsmaschine beitrage. Und dies in einer Gesellschaft, die vom Westen als Diktatur diffamiert wird.
Im Gegensatz dazu wird das uns beherrschende System als „Demokratie“ bezeichnet und den Menschen suggeriert, sie würden mitregieren.
„Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. In Wirklichkeit ist das, was man uns als ,Demokratie' verkauft, eine mediale Projektion, um den uneingeschränkten Machtanspruch der imperialen Oligarchie durchzusetzen. Damit sich diese Machtausübung möglichst ohne große Widerstände vollziehen kann, werden die Entscheidungsträger in den relevanten Bereichen der Gesellschaft über entsprechende Think-Tanks, Stiftungen oder Kaderschmieden auf Linie gebracht. Nur wer hier besteht, wird in eine Führungsposition durchgereicht.
Wer den herrschenden Eliten auch nur ansatzweise die Macht streitig macht, wird zeitnah aussortiert. Sollte er es dennoch zu gesellschaftlichem Einfluss bringen, sieht er sich einer willfährigen Pressemaschine gegenüber, die Kritiker diffamiert, stigmatisiert und kriminalisiert.“ 1)

1) Hermann Ploppa – Die Macher hinter den Kulissen







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