WIEDERGUTMACHUNG gegenüber den Flüchtlingen – unser aller Pflicht


Bild: pro asyl

20.10.15
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Von Jürgen Heiducoff

Ich wende mich angewidert ab von dem, was da in Dresden und anderenorts durch PEGIDA oder Rechtsextremisten gegen Flüchtlinge geäußert wird. Sie tun so, als gebe es eine externe Kraft oder einen Plan, Europa und insbesondere Deutschland mit zumeist moslemischen Flüchtlingen zu überschwemmen. Selten hört man, dass der zu einer Völkerwanderung ausartende Flüchtlingsstrom ein ungewolltes Produkt der Expansion unserer eigenen westlichen Gesellschaft ist. Die Kriege der USA, denen wir folgten oder die wir unterstützten, haben weitgehend zur Zerstörung der Lebensgrundlagen in weiten Gebieten des Mittleren und Nahen Ostens sowie des afrikanischen Kontinentes geführt. Hinzu kommt die Sanktionspolitik westlicher Staaten. In Krisenregionen sind durch die Bundesregierung immer wieder einseitig Konfliktparteien unterstützt worden, auch mit Waffen und militärischer Ausbildungshilfe. Der gewinnbringende Export moderner, auch schwerer Waffen führte weiter zur Destabilisierung ganzer Regionen. Die Bundesregierung war und ist daran massiv beteiligt.
Unsere Gesellschaft, die meisten von uns, haben versagt. Wir waren nicht willig und nicht fähig, die Instrumente der Demokratie zu nutzen, die Kraft aufzubringen, eine andere Politik zu erzwingen. Wir waren nicht in der Lage, ein Parlament zu wählen, dass die Bundesregierung zu einer nachhaltig friedlichen Politik führt.
Die Politik der Bundesregierungen der letzten Jahre hat dazu beigetragen, dass in weiten Gebieten dieser Welt die Lebensgrundlagen der Menschen zerstört worden sind. Auch ich habe an einem der Feldzüge der Demokratie - als Soldat in Afghanistan, teilgenommen. Den Scherbenhaufen dieser Mission sehen wir in diesen Tagen. Immer mehr Menschen aus dem geschundenen Land am Hindukusch fliehen. Viele von ihnen haben für uns Deutsche als Dolmetscher, Wachleute oder Tagelöhner gearbeitet.
Nun sind wir zur WIEDERGUTMACHUNG gegenüber den Flüchtlingen aus UNSEREN KRIEGSGEBIETEN verpflichtet.
Diese Überzeugung ergibt sich aus meiner atheistisch - humanistischen Erziehung.
Die meisten der Flüchtlinge, die aus den Regionen unserer Kriege kommen, sind Opfer der Politik der westlichen Regierungen. Zur Wiedergutmachung an der entstandenen humanitären Katastrophe wären normalerweise die politischen Entscheidungsträger verpflichtet. Da aber die überwiegende Mehrheit der wahlberechtigten Bürger die Regierungsparteien CDU/CSU und SPD gewählt haben, sind auch sie zur Wiedergutmachung verpflichtet.
Wir müssen nun unseren Wohlstand teilen. Denn unseren Wohlstand haben wir nicht nur unserem Fleiß und unserer Unterwürfigkeit in der Hierarchie der Ausbeutung zu verdanken. Er ist auch auf dem Rücken anderer Völker in den Niedriglohnparadiesen und in den rohstoffreichen Ländern gewachsen.
Es ist gerecht, nun denen abzugeben, auf deren Kosten deutsche Unternehmen hohe Gewinne einstreichen konnten. Aber auch die Kunden vieler Discountketten von Lidl bis KiK sparen auf Kosten anderer Menschen in den Billiglohnländern. Teilen sollten vor allem die Kriegsgewinnler, denen es in der Regel gut geht.
Doch teilen und wiedergutmachen müssen wir alle! Wir waren nicht fähig und nicht willig, die Instrumente der Demokratie zu nutzen und durch Wahlen, Demonstrationen und massive Proteste die Regierung zu einer anderen Politik zu zwingen.







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