Der Hartz-IV-Strafvollzug ist ein sozialdemokratisches Verbrechen!


Bildmontage: HF

15.03.18
SozialesSoziales, Debatte, TopNews 

 

Von Reinhold Schramm

»Grüne und Grundsicherung. „Hartz IV muss überwunden werden“. Jens Spahn argumentiere überheblich und falsch, sagt der grüne Sozialexperte Sven Lehmann. Er fordert eine „sanktionsfreie Grundsicherung“. – „Das Problem ist sogar noch größer, weil viel mehr Menschen arm sind, als die, die Hartz IV beziehen“«  —  Vgl. Tageszeitung, taz.de *

Kommentar

Als zweifacher Facharbeiter und als Handwerksmeister, bekam ich im Alter von 54 Jahren nur noch einen „befristeten Zeitvertrag“. Danach, im 56 Lebensjahr, noch im ALG I., nur ein einziges Arbeitsangebot, über die damalige Arbeitsagentur Berlin Tempelhof, Wolframstraße, für eine dauerhafte Festanstellung als Projektleiter und Meister. Aber der Hacken an diesem Arbeitsangebot, man wollte nur einen Brutto-Stundenlohn von etwa 7 Euro zahlen! Das waren deutlich weniger als 40% vom Meisterlohn. Auf Nachfrage, meinte die Beamtin der Arbeitsagentur: “Sie können dort bis zur Rente arbeiten“ und “Sie können H4-Aufstockung beantragen“. Dass damit kein nennenswerter Rentenanspruch erworben werden kann, das sagte sie nicht. // Im weiteren Verlauf verbrachte ich Jahre im Hartz-IV-Strafvollzug. Da keine Aussicht auf eine bezahlte Erwerbsarbeit bestand, begab ich mich vorzeitig in Rente. In Folge  hatte ich nicht nur durch meine Erwerbslosigkeit einen Einkommens- und Rentenverlust. Auch wurden keine Arbeitsjahre als Selbständiger berücksichtigt. Zudem, wegen meiner vorzeitigen Altersrente, erfolgte auch noch ein Renten-Abschlag [Renten-Kürzung] auf meine (bereits) erworbene Altersrente. Im Ergebnis lag meine GRV-Altersrente, trotz meiner 35-Erwerbsjahre in Vollzeitarbeit, auf dem geringen Niveau der Regelleistung, analog Hartz-IV-Strafvollzug. Nur Dank meiner zusätzlichen kleinen Betriebsrente befinde ich mich auf dem geringen Niveau der GRV-Durchschnittsrente. // Bei der Berechnung meiner vorzeitigen GRV-Altersrente wurden nur knapp unter 44-Jahre berücksichtigt, so wurden in Folge mtl. etwa 70-Euro von der Altersrente abgezogen. Fünf Jahre meiner Selbständigkeit, allerdings ohne Rentenversicherung, fanden keinerlei Berücksichtigung. // Dabei auch nicht die (überprüfbare) Tatsache, dass meine Erwerbsleistung, als Facharbeiter, Vorarbeiter, Spezialbaufacharbeiter, Meister, Ausbilder und Lehrgangsleiter, durchaus überdurchschnittlich war, aber auch in aller Regel nicht dementsprechend bezahlt wurde. Auch wurde Arbeitslohn unterschlagen! Beispielsweise wurde im Zeitvertrag als Tischlermeister am Martin-Gropius-Bau Berlin, entgegen der mündlichen Vereinbarung mit dem damaligen Direktor, nur 62 Prozent der ursprünglichen Lohnvereinbarung gezahlt. Auf mein Schreiben an das KBB-Personalbüro bekam ich auch keine Antwort, bzw. keine Rückmeldung. –

Im Mitteilungsschreiben, über das für mich unerwartete Ende meines Arbeitsverhältnisses, als vorsätzlich unterbezahlter Handwerksmeister, der KBB-MGB [Kunst und Berliner Festspiele] heißt es unter anderem: „wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir wegen fehlender Geldmittel Ihren Arbeitsvertrag nicht verlängern können“ und dass Sie sich „bei der Arbeitsagentur melden müssen“, wenn Sie „von dort Leistungen in Anspruch nehmen wollen.“

Abschließend: Der sozialdemokratische Hartz-IV-Strafvollzug ist ein schweres soziales Verbrechen an Millionen lohnabhängig Erwerbstätigen und ihren Familien und Kindern in der Bundesrepublik Deutschland!

R.S.: Gewerkschafter der Basis, seit 49 Jahren.

* Vgl. Tageszeitung, taz.de am 15.03.2018: Grüne und Grundsicherung. „Hartz IV muss überwunden werden“. Jens Spahn argumentiere überheblich und falsch, sagt der grüne Sozialexperte Sven Lehmann. Er fordert eine „sanktionsfreie Grundsicherung“. Das Interview führte Ulrich Schulte, Leiter Parlamentsbüro.

www.taz.de/Gruene-und-Grundsicherung/!5491502/

15.03.2018, Reinhold Schramm







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz