Die Privatisierung der Wohlfahrt


Bildmontage: HF

04.12.15
SozialesSoziales, Sozialstaatsdebatte, Debatte, TopNews 

 

Von Reinhold Schramm

»Beim gegenwärtigen Kurs der Aktie stehen der Initiative 45 Milliarden zur Verfügung – grob eine Milliarde pro Jahr. Mit diesem Geld sollen „auf Gebieten wie Gesundheit, Bildung, Forschung und Energie das menschliche Potenzial und die Gleichheit gefördert werden“ {...} Aber es bedeutet eben auch, dass die Reichen sich auch weiterhin die Zukunft erkaufen, die sie gerne hätten, so selbstlos ihre Absichten auch immer sein mögen. Die internationale Philanthropie und das Bedürfnis des Westens, Armut und Krankheiten zu bekämpfen, können sich niemals ganz ihrer imperialistischen Wurzeln entledigen. {...} Der Einfluss und die Macht solcher Leute „unterstützt morgens selbst die brutalsten politischen Entscheidungen, gründet nachmittags wohltätige Organisationen und erhält abends Preise“«  Vgl. Freitag *

Kommentar.

Die fortgesetzte und erweiterte Privatisierung von Staat und Gesellschaft!

Im Grunde die Privatisierung von Teilen des (staatlichen) Sozialhaushalts! Statt Einkommens- und Vermögenssteuer an den Staat zu (be)zahlen, aus dem (überwiegend persönlich leistungslosen Erbschafts-) Kapital- und Privatvermögen, die Umwandlung von Steueranteilen in Privat-Spenden und steuerbefreiten Privat-Stiftungen, zur eigenen Verfügungs- und (privaten) Entscheidungsgewalt.

Kommentar von @ VERMALEDEIT:

„Die Scheinheiligkeit schlechthin: Erst mit dem Schweinesystem Riesengewinne machen, durch “Spenden“ die Steuerlast senken und dann das schlechte Gewissen besänftigen. Wie praktisch. Fallt bloß nicht drauf rein. Vor allem am System ändert sich nichts.“ [Vgl.*]

Kommentar [fiktiv]:

Ein Akkordarbeiter bezieht im Quandtschen BMW-DAX-Konzern ein Jahreseinkommen von Brutto: 80.000 Euro.

Bei einem Kapital- und Privatvermögen von derzeit rd. 40 Milliarden Euro [u.a. Erbschafts-Vermögen und Multi-Millionen- und Milliarden-Dividenden] entspricht dies der Erwerbs- und Arbeitsleistung von 500.000 Arbeitsjahren.

Oder: Der Arbeits- und Erwerbslebensleistung von 10.000 Arbeitskräften über jeweils einen Zeitraum von 50 Vollzeitarbeitsjahren – ohne Fehlzeiten und ohne Arbeitslosigkeit – und ausschließlich in Akkordarbeit.

Nochmals: Für dieses Privat- und Kapitalvermögen – 40 Mrd. – müssten 10.000 Menschen, jeweils und zusammen, 50 Jahre ihres Lebens im Akkord in der Quandtschen BMW-Produktion arbeiten! [Und dies wäre nur deren Reproduktionsanteil.]

Liebe Freitag-Leserin, lieber Leser, merken Sie noch etwas?

Wir leben, nicht nur in den Vereinigten Staaten, im modifizierten (modernen) staatsmonopolistischen Kapitalfaschismus des 21. Jahrhunderts, weltweit!

* Vgl. Freitag, Meinungsmedium, 02.12.2015. Die Privatisierung der Wohlfahrt. Facebook. Von Devon Maloney, britische Tageszeitung The Guardian. »Die Milliardenspende von Zuckerberg ist eine große Geste. An der ungleichen Verteilung von Macht wird die Initiative nichts ändern – im Gegenteil.

www.freitag.de/autoren/the-guardian/die-reprivatisierung-der-wohlfahrt

 

Nachtrag

Bill Gates: 79,2 Milliarden US-Dollar an Vermögen (71,98 Mrd. Euro, Stand: Okt. 2015). Gates „spendete“ mehr als 26 Mrd. USD für philanthropische Zwecke.

Carlos Slim Helu: 77,1 Milliarden USD (70,07 Mrd. Euro). Als Unterstützer gemeinnütziger Einrichtungen „spendete“ der mexikanische Geschäftsmann rd. 4,0 Mrd. USD.

Warren Buffett: 72,7 Mrd. USD (66,07 Mrd. Euro). Das „Orakel von Oamha“ ist Initiator von „The Giving Pledge“ und „spendet“ für wohltätige Zwecke.

Amancio Ortega: 64,5 Mrd. USD (58,62 Mrd. Euro). Der Geschäftsmann gilt als reichster Mann Spaniens [Spaniens Jugendarbeitslosigkeit: knapp 50 Prozent, im August 2015].

Larry Ellison: 54,3 Mrd. USD (49,35 Mrd. Euro). Der nordamerikanische Manager ist auch an der Quark Biotechnology beteiligt.

Charles Koch und David Koch: 42,9 Mrd. USD (38,99 Mrd. Euro). Als Kunstliebhaber unterstützt Charles Koch das Lincoln Center und dass American of Natural History. Die von den Brüdern unterstützte Interessengruppe (AFP) kämpft gegen zu hohe Steuern, gegen die US-Gesundheitsreform und gegen die Bürokratie.

Jim Walton: 40,6 Mrd. USD (36,9 Mrd. Euro). Jim Walton ist der jüngste Sohn von Sam Walton, dem Gründer des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart.

S. Robson Walton: 39,1 Mrd. USD (35,53 Mrd. Euro). Der multinationale Wal-Mart-Konzern beschäftigt weltweit über zwei Millionen Mitarbeiter.

Bernard Arnault: 37,2 Mrd. USD (34,8 Mrd. Euro) . Arnault ist Mehrheitseigner an der Christian Dior S.A. und dem Konzern LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton, und ihm gehört eine Wirtschaftszeitung.

Mit einem privaten Familienvermögen von 31 Milliarden Euro sind die Quandts die reichten Deutschen.

• Mit einem Vermögen von 18,3 Milliarden Euro liegen die Familien Albrecht und Heister (Aldi Süd) auf Platz 2, und die Familie Theo Albrecht jr. (Aldi Nord) mit 16,5 Mrd. Euro an vierter Stelle der größten Privatvermögen in Deutschland.

Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler, Eigentümer des gleichnamigen Wälzlagerherstellers und Großaktionäre beim Autozulieferer Continental, befinden sich auf Platz 3 der größten Vermögen in Deutschland. Sie verfügen über ein Privat- und Geschäftsvermögen von 17,6 Milliarden Euro.

[Nur eine kurze und unvollständige Zusammenfassung zur Privatisierung und Kapitalisierung der Gesellschaft.]

 

04.12.2015, Reinhold Schramm

 







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