Glosse von Horst Bruns
Nee, nee. Diese Schlagzeile ist nicht von mir. Die steht über einem Artikel von "Spiegel Online" vom 19. Juli '09. Den Artikel könnt Ihr unter folgendem Link nachlesen. So was erfordert natürlich Beileidsbekundungen (s.u.).
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,636947,00.html
Johanniskraut für Madeleine Sch.
Das ist schon schlimm, wenn frau einmal ihren kargen Lebensunterhalt von gerade mal 3 Mrd. Euro hat bestreiten müssen und jetzt - oh Schreck, oh Graus! - mit nur noch 27 Mio. auskommen muß. Das ist ja nicht einmal mehr 1 (ein!) Prozent! Furchtbar! Gräuslich! Wie gewonnen (ergaunert), so zerronnen! Da kann man schon Mitleid kriegen.
Doch rechnen wir mal nach, wie vielen Hartz-IV-Beschissenen mit 3 Mrd. unter die Arme gegriffen werden könnte, und nehmen wir mal an, die bekämen - wie von dieser komischen LINKEN als Mindest-Grundsicherung gefordert - 500 Euro im Monat: Mit 3 Milliarden könnten sich so um die 500.000 dieser "Sozialschmarotzer" ein Jahr lang leidlich über Wasser halten!
(Zwischenbemerkung: Fragt sich, wer hier bei wem schmarotzt, sprich: wer hier wen auslutscht.)
Und die verarmte Lady Schickedanz ist ja nicht die einzige, die vom Schicksal so hart getroffen wurde. Da gibt's doch auch noch die verelendende Frau Schaeffler, die sich mal "Conti" unter die goldlackierten Nägel reißen wollte. Die hat (hatte?) auch nur so um die 3 Mrd. zum Überleben. Das wären dann noch mal 500.000. Und damit wären wir schon bei einer Million Hartz-IV-Abgehängten. Zugegeben, das ist nur 'ne Handvoll. Aber es gibt ja noch mehr Milliardäre, die ihre Geldschaefflerei nur als Extremsport betreiben: Wer schaeffelt den höchsten Monetenberg, ohne abzustürzen?
Was folgern wir daraus? Diese Armen (gemeint sind natürlich die armen Milliardäre) brauchen auch nicht mehr als 27 Mio. Die könnten sogar ganz gut von den Zinsen leben. Ihr glaubt das nicht? Dann rechnet doch mal nach, mit 5 Prozent Jahreszins. Das macht im Monat 112.500 Euro (oder 3698,63 € pro Tag). Das reicht doch eigentlich, oder nicht? (Nebenbei: damit könnten unter den obigen Annahmen 225 Hartz-IV-Beglückte ihr fürstliches Leben fristen. Monatlich! Jahrelang!)
Doch was geschieht? Jetzt muß sich die finanziell abgestürzte - wer's glaubt, hat'n Brett vorm Kopf - Frau Schickedanz ihre Radieschen doch wahrhaftig selber aus dem Garten holen und sich beim Rupfen auch noch die zarten Fingerchen schmutzig und rissig machen. Tss, tss! Damit Sie, Madame Sch., aber nicht in Schwermut versinken müssen, hier ein Tip, gnä' Frau. Pflanzen Sie zusätzlich - zu den scharfen linken (weil rot) - Radieschen größere Mengen Johanniskraut an. Das hilft bei Depressionen. Und wenn alle Stricke reißen, komme ich gerne mal zu einer Anti-Depressions-Crash-Therapie vorbei. Dauert nur'n Wochenende, aber Sie sind dann garantiert Ihre Zweifel (und'n saftiges Honorar) los.
Ja, ja. Da hat's der Jupp Ackermann - der ist einfach cleverer als Sie, Schickedänzerin - viel besser. Der hat, wie der Name schon sagt, nicht nur einen Garten, sondern einen ganzen Acker für das Kräutlein zur Verfügung. Und wenn der das dann noch nach Kolchosenart betreibt, kann er Hunderttausende von im Elend dahinsiechenden MilliardärInnen davor bewahren, in die psychomonetären Abgründe verheerendster Schwermut zu stürzen. Den Kolchos (oder Koloß, das ist dasselbe) würde er natürlich als Aktiengesellschaft betreiben. Und dabei kämen mit Sicherheit weit mehr als nur 25 Prozent Rendite heraus. Frau Schickedanz, werden Sie Ackerfrau! Im Radieschenrupfen haben Sie doch schon jede Menge Übung!
Ich könnte ja mal einen Selbstversuch starten, wie sich das anfühlt, so arm zu sein wie Sie, Madame Sch. Na ja, nur einen Monat lang, ist doch klar. Dann hätte ich für den Rest meines Lebens ausgesorgt, ehrlich!