Anmerkungen zur Veröffentlichung des Berichts "Gift im Spielzeug"

10.03.10
SozialesSoziales, Wirtschaft 

 

von Helmut Roloff

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
ich schätze Euch und Eure Informationen ganz außerordentlich.
Aber meint Ihr, die Veröffentlichung des Berichts "Gift im Spielzeug" vom 9.3.10 ist so richtig gelaufen?

Noch nie war Spielzeug auch nur annähernd so sicher wie heute. Dennoch wird allenthalben vor Gift im Spielzeug, unverantwortlichem Profitstreben der Spielzeughersteller auf Kosten unserer Kinder gewarnt. Warum?

Vielleicht weil die Spielzeugindustrie einer der wenigen Wirtschaftszweige ist, der noch nicht stark konzentriert in den Händen Weniger liegt? Die Einzelhandelsstruktur ist trotz heftigen Einzelhandelssterben in den vergangenen drei Jahren noch relativ intakt. ToysRUs hat in Deutschland und weiten Teilen Europas kaum Fuß fassen können.

Unter den Herstellern gibt es drei oder vier weltumspannende Konzerne wie Mattel, Hasbro, Lego oder Simba-Dickie aus Deutschland. Aber der Spielzeugmarkt in Europa wird unverändert von kleinen und mittelständischen Herstellern geprägt, die Spielzeug in großer Verantwortung vor den Eltern und deren Kinder herstellen.

Muss eine kritische Publikation sich unbedingt auch die Argumentation der übrigen Presse zu eigen machen und mit unbewiesenen und scharfmacherischen Behauptungen das Geschäft der Konzerne betreiben, die allzugern den Markt weiter unter sich aufteilen wollen?

Schon heute ist es wegen der zum größten Teil unsinnigen europäischen Normen und Bestimmungen für Spielzeug fast ausgeschlossen, dass einzelne neue Bewerber mit vielleicht guten Ideen sich im Spielzeugmarkt selbständig machen könnten.

Die vielbehaupteten Sicherheitsmängel bei Spielzeug gibt es tatsächlich nicht. Fragt doch bitte einmal die Bundesregierung, das Statistische Bundesamt oder die Bundesstelle für Risikobewertung nach Zahlen und Fakten über Kinderunfälle mit Spielzeug. Erstaunlicherweise werdet Ihr darauf keine Antwort erhalten. Es gibt diese Zahlen nicht weil es die Unfälle mit Spielzeug nicht gibt. Jedenfalls nicht in dem vielfach behaupteten Umfang. Spielzeug stellt für Kinder kein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar.

Wer hat Interesse an einer solchen Berichterstattung? Sie folgt einem alten, Journalisten wohlbekannten Schema. Erzeuge Angst und gebärde dich als Retter! Dies geschieht zur Zeit auf  vielen Ebenen. Und ist doch höchst amüsant (oder erschreckend – je nach Temperament) anzusehen. Aus Afghanistan kommen Terroristen, Spielzeughersteller bringen unsere Kinder um, Anonyme Kräfte schädigen unsere Wirtschaftsordnung, Hartz IV Empfänger richten den Staatshaushalt zugrunde und leben auf unser aller Kosten in Saus und Braus. Das Erschaudern der Medienkonsumenten ist förmlich körperlich zu spüren. Und was ist wahr an alledem? Wir werden den Verdacht nicht los, es handelt sich um ein gigantisches Ablenkungsmanöver, weil man der tatsächlichen Probleme übergroßer wirtschaftlicher und politischer Macht einiger Weniger und deren skrupellosen Handlungen entweder nichts entgegen zu setzen weiß oder will. Es ist wohl mehr der Wille, der den Verstand aussetzen lässt. Abhängigkeiten lassen sich bei anständiger Bezahlung ganz gut ertragen.

Abgesehen davon ist es eine Illusion anzunehmen, es wäre möglich eine sichere Zone für Kinder oder irgendeine andere Personengruppe zu bauen. Risikoeinschätzungen und Risikobeherrschung gehören zweifelsfrei zu den wesentlichen Erziehungszielen.

Ich halte es für sinnvoll, zu solchen Beiträgen auch einmal die Fachauskunft der Menschen einzuholen, die sich tagtäglich damit beschäftigen. Dass sind bestimmt auch Sicherheitsinstitute wie der TÜV. Das ist aber ein privatwirtschaftliches Unternehmen mit einem Monopol in Sicherheitsfragen, dem sehr daran gelegen ist, Zweifel an der Sicherheit zu nähren. Die verdienen damit nämlich ihr Geld. Da kommen dann sehr zweifelhafte Normen und Bestimmungen bei raus, die eindeutig nur dem TÜV helfen aber nichts zur Sicherheit der Bevölkerung beitragen. Deshalb ist es gute journalistische Sitte, auch weitere Meinungen und Stellungnahmen einzuholen. Zum Beispiel bei uns. Wir unterhalten ein eigenes System zur Qualitätssicherung und können Euch bei Sachfragen gerne unterstützen.

"Millionen Kinder sind weltweit giftigen Schadstoffen in Spielzeug ausgesetzt." Beweis? Was ist mit Autos, Flugzeugen, Kernkraftwerken, Splitterbomben, die wie Spielzeug aussehen und von deutschen Rüstungsbetrieben hergestellt werden. Wer das Thema Spielzeugsicherheit bemüht und in keiner Silbe darauf eingeht, dass alle 10 Sekunden ein Kind an Hunger stirbt, ist zynisch.

"Erstmals präsentiert sich die internationale Koalition zu sicherem Spielzeug „Safe Toys Coalition“ auf der WHO  5. WHO Ministerkonferenz für Umwelt und Gesundheit in Parma, 10.bis 12.März in Parma, um der Öffentlichkeit und den hochrangigen Delegierten aus allen Staaten Europas ihr Statement vorzustellen." Prima, dass Geld für unsinnige Mammut-Konferenzen da ist, die weder etwas für die Sicherheit von Kindern bringen noch deren Zukunftschancen beeinflussen werden. Den Delegierten möge es in Parma  gut ergehen.

„Viele dieser Stoffe, die nachweislich die Gesundheit beeinträchtigen sind schlicht nicht nötig.“ sagt Frau Caterbow von einer Organisation, die aus Steuergeldern bezahlt wird und deren Existenzberechtigung außer bei der Teilnahme an "wichtigen" Konferenzen sonstwo auf der Welt nicht nachgewiesen ist. Anders als bei den von ihr inkriminierten Inhaltsstoffen bei Kinderspielzeug, von denen das Robert-Koch-Institut sagt, dass eine Gefährdung keinesfalls nachgewiesen ist, die wir verantwortlich handelnden Spielzeugunternehmen aber dennoch nicht verwenden.

"Dazu hat die Safe Toys Coalition ein gemeinsames Statement erarbeitet, welches in der nächsten Zeit mehr als 100 Unterstützer weltweit haben wird. " Das imponiert! Höchstwahrscheinlich gelingt es sogar Herrn Westerwelle mehr Unterstützer seiner Politik nachzuweisen.

"Die Safe Toys Coalition fordert unter anderem ein Verbot von allen gefährlichen Chemikalien in Spielzeug, eine voll umgesetzte Gesetzgebung, eine ausreichende Kontrolle, sowie eine sinnvolle Interims-Kennzeichnungspflicht." Das alles gibt es schon lange und wird auch umgesetzt. Die Frage ist doch, warum die chemische Industrie all die gefährlichen Dinge überhaupt herstellen darf und wofür sie verwendet werden. Chemikalien, die im Spielzeug schon lange verboten sind, werden immer noch in Lebensmitteln (auch für Kinder) verwendet, in Kinderpharmazeutika und Gott weiß wo.

"Viele Spielsachen enthalten synthetische Chemikalien, die Kinder krank machen können." Einige Absätze zuvor war das noch eine unumstößliche Tatsache. Warum plötzlich der Sinneswandel?

"Dies zeigen etwa steigende Allergie- und Krebsraten." Dafür soll Spielzeug verantwortlich sein? - Fragt bitte einmal nach was in bundesdeutschen Haushalten üblich ist. Da wird eine keimfreie Umgebung für Kinder geschaffen, in der jederzeit auch Operationen am offenen Herzen vorgenommen werden könnten, Kinder dürfen nicht mehr draußen spielen, weil sie sich ja schmutzig machen könnten. Das Immunsystem kann sich unter solchen aseptischen Bedingungen nicht entwickeln. Und wenn signifikant erhöhte Krebsfälle bei Kindern im engeren Umkreis von Kernkraftwerken angetroffen werden, kommen flugs amtlich bestellte Gutachter daher, die uns nachweisen, die AKW hätten damit gar nichts zu tun. Aber das Spielzeug!

Warum stellen Journalisten heute eigentlich keine Fragen mehr, nachdem vermeintlich schon alle Fragen gestellt sind? Geht tiefer, werdet nicht Teil dieses Systems der Unwahrheit und Oberflächlichkeit.

Warum wird ein solcher Beitrag eigentlich unter den Tags "Wirtschaft, Feminismus, Internationales" veröffentlicht? Sind Kinder, Spielzeug, Erziehung... keine eigenen Schlagwörter wert? Oder Betrug, Ablenkung, Zynismus?
 
Mit freundlichen Grüßen
Helmut Roloff

www.handelshaus-goki.de

 


VON: HELMUT ROLOFF






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