Hunger nach WÜRDE - jetzt sind SIE gefordert


Bildmontage: HF

10.07.15
SozialesSoziales, Bewegungen, Berlin 

 

Offener Brief/Mail von Frigga Wendt

Sehr geehrtes Jobcenter-MitarbeiterInnen-Team ihres lokalen
Jobcenters,

sehr geehrte GeschäftsführerInnen,

sehr geehrter Vorstand der BA und

sehr geehrte weitere Damen und Herren aus der Politik als Mitwissende
und Mitverursachende,

der anspruchsberechtigte ALG-II-Antragsteller Ralph Boes ist wegen der
kontinuierlichen Nichtszahlung seines Existenzminimums im Hungern.

Er hat Bewilligungen seines Jobcenters in Berlin Wedding bekommen,
seit Monaten, mit kleinen Unterbrechungen seit Jahren, aber keine
Leistungen aufgrund fortlaufender Sanktionen.
Er verhält sich NICHT im Sinne von SGB-II und das ganz öffentlich,
denn er stellt am eigenen Leib die Frage:

Darf das Existenzrecht eines Menschen von seinem "WOHLVERHALTEN" abhängen?

Hinter seinem Hungern steckt ein Hungern nach WÜRDE -

http://wir-sind-boes.de/mediapool/133/1338286/data/Flyer_Aktion_17.Juni.pdf

Er ist NICHT freiwillig im "Hungerstreik" sondern lebt dar, was es
heißt, ausgeschlossen zu sein von der Versorgung - und damit WIRD ER
verhungert - bei Klärung der Verhältnisse "in Sinne der Menschenwürde"
wäre sofort Geld für Essen wieder da und er würde sofort wieder
Nahrung zu sich nehmen können - sofern es rasch genug passiert bevor
er gesundheitliche (Dauer)schäden erlitten haben wird.

Auch Sie haben Verantwortung - hinterfragen und remonstrieren Sie,
wenn sie jemanden vorsätzlich "in den Hunger" "in die Obdachlosigkeit"
schicken - ja, sicher haben sie gute Gründe IM SINNE von SGB-II
jemanden zu sanktionieren, der nicht regelkonform war, sie vielleicht
sogar persönlich nervt, ihnen moralisch als "schmarotzer" erscheint...
doch die WÜRDE des MENSCHEN steht in Form des LEBENSRECHTS für das sie
in diesem Staat "letzter Garant" sind, vor allem anderen...

Diskussionen, dass es "anderswo härter zuginge" möchte ich nicht
führen - es geht mir um die Wahrhaftigkeit unserer eigenen Gesetze,
die sich so darstellen, als wäre es hier NICHT so.

Ferner hinterfrage ich auch den ARBEITSBEGRIFF als solchen, der in
einer erwerbsfixierten Welt, wo GELD im Zentrum steht und nicht der
Mensch, zu enormen pervertierungen geführt hat - wo maßgeblich viele
kreative Menschen wie Ralph Boes (mit oder ohne geregelstes Einkommen)
den Teufelkreis durchbrechen und sich gemeinwohlorientiert für
Benachteiligte, Frieden, Freiheit, Mensch und Natur einsetzen.
Sie als Jobcenterpersonal dürften durch eigene Beobachtungen einen
Blick für diese Absurditäten gewonnen haben.

Nochmal zu Sanktionen: sie sind keine Wohltat - sie stärken und
schützen nicht die Menschenwürde.

Wer durch erzieherische Maßnahmen später nach eigener Aussage "ein
besserer Mensch" geworden ist, durch medizinische Therapie oder
Psychothrapie "wieder in seine eigene volle Kraft kommt" (um damit
auch zu arbeiten und Anerkennung zu erlangen), muss "die wahl2 gehabt
haben ob er solche Erziehung akzeptiert und darf dennoch nicht mit dem
TODE bedroht werden, der willkürlich durch Vorenthalten von Ressourcen
oder Geld, das den Zugang zu Ressourcen regelt, verhängt wird.
Wer erzogen werden möchte, kann das selbst wünschen.
Wenn "erzieherische Maßnahmen" nicht zum Ziel führen, sondern zum Tod
oder auch nur zu eier tatsächlichen Lebensverschlechterung, sind sie
ein Verbrechen - daher ist Lehrern und Eltern auch die Züchtigung
ihrer Kinder u.ä. verboten.

Sanktionen sind auch kein "Notmittel" die Volkswirtschaft zu retten -
da könnte man auch Bankenrettungen unterlassen und statt dessen ein
bedingungsloses Grundeinkommen einführen und vor allem auch unser
Geldsystem reformieren.

Lassen Sie (und ihre gesamten MitarbeiterInnen) sich nicht an der Nase
herumführen und für Zwecke missbrauchen, für die Sie schlussendlich
dann persönlich haftbar gemacht werden.

Die Anmaßung, über andere erwachsene Menschen erzieherisch tätig zu
sein, wird Ihnen von oben aufgetragen - aber sie alle haben das RECHT
zu remonstrieren und aus meiner Sicht auch die PFLICHT -

Ihre ehem. Kollegin Hannemann wird Ihnen das bestätigen.

Wie Sie Ralph Boes oder anderen Hartz-IV-Betroffenen abverlangen,
"alles nur Erdenkliche zu tun, um Hilfebedürftigkeit zu beenden" (was
eher eine moralische Forderung ist als ein Lebensberechtigungsgrund),
VERLANGT das GRUNDGESETZ von Ihnen, alles nur erdenkliche zu tun, um
das Existenzrecht eines Menschen zu sichern bzw. nicht zu gefährden.

Oder gibt es noch andere Ämter, die solche Fälle abfangen? Wenn ich
mich in der ZUSTNDIGKEIT irre- sagen Sie mir GERN wer dafür zuständig
IST. DANKE.

Ein Arzt, der mich warnt, dass rauchen schädlich ist, tut gut daran -
wenn er mir aber sagt: ich schlag Dir auf den Kopf oder nehme Dir auch
noch das Essen weg - verfehlt seinen Beruf.

Thüringen geht mutig voran durch Richter Petermann und das Gothaer
Sozialgericht - schließen Sie sich alle diesem Geiste an.

Können Sie tatenlos zusehen, wie Ralph Boes verhungert? Ich kann es
nicht - daher erhalten Sie diese Mail und vermutlich noch etliche
weitere von anderen ebenso betroffenen Menschen.

Mit ernstem aber persönlich freundlichem Gruß,
FriGGa Wendt
-Grundrechtschutz-
wir-sind-boes.de
grundrechte-brandbrief.de
artikel20gg.de







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