Mönchengladbach: Menschenrechte hinterm Krematorium verschütt jegangen

21.07.12
SozialesSoziales, NRW, TopNews 

 

von Thomas Wasilewski

Nach dem Bestattungsgesetz NRW hat jede Frau und jeder Mann die Ehrfurcht vor den Toten zu wahren und die Totenwürde zu achten. Würdevoll bedeute aber auch, dem Toten einen öffentlichen Ort des Gedenkens auf dem Friedhof zu geben. Jeder Mensch hat einen Anspruch auf eine würdevolle und ortsübliche Bestattung und diese Bestattung ist immer noch die Erdbestattung.

Der Beitrag des WDR FernsehensVerarmt, verstorben, verscharrt - Wenn der Tod zu teuer ist“ zeigte wie die Realität in Mönchengladbach aussieht. Die 82-jährige Witwe steht wie versteinert zwischen den Büschen und Bäumen hinter dem Krematorium in Venlo. Hier wurde die Asche ihres verstorbenen Ehemanns anonym verstreut. Ingeborg Steiniger war nicht dabei. Sie hat diese würdelose Beerdigung auch nicht so gewollt. Ingeborg Steiniger ist pleite. -

Wer arm ist, hat es schwer, das nötige Geld zu bekommen, um einen Angehörigen zu beerdigen. Sozialämter verlangen meist Nachweise über die Bedürftigkeit und fahnden erstmal wochenlang in aller Ruhe nach anderen, zahlungskräftigeren Angehörigen. Die Verstorbenen lagern derweil in Kühlräumen. Es kann Wochen dauern, bis die Kostenübernahme durch die Sozialämter geklärt ist. Oft ist sie gar nicht zu klären. Dann springt das Ordnungsamt ein und organisiert eine schnellstmögliche Entsorgung des Leichnams, so der WDR in seinem Beitrag.

Nach Angaben des Landes NRW hatten die Kommunen im Jahr 2005 rund 6,6 Millionen Euro für Bestattungen aufbringen müssen. Im Jahr 2008 waren es bereits 13,3 Millionen Euro und die Tendenz ist steigend. Geraten die Armen wegen der Bestattungskosten ins Fadenkreuz der Sozialämter werden sie Opfer von Massengräbern und Krematorien. Aus dem Blickwinkel der politischen Ökonomie folgt diese Form der Entsorgung ganz dem Trend der christlichen Entwertegemeinschaft.

Die Volksvertreter der Stadt Mönchengladbach Hans-Willi Körfges MdL, Norbert Bude Oberbürgermeister, Günter Krings MdB, Norbert Post MdL und Karl Heinz Florenz MdEP kamen im WDR Beitrag leider nicht zu Wort, als wären sie in einem schwarzen Sommerloch verschwunden. Doch sie tragen die moralische und politische Verantwortung dafür, dass „Nackten Toten in die Taschen gegriffen wird“. Arme Menschen sind nicht systemrelevant und deshalb ist politisch keine Eile geboten. Ganz anders als in der Fiskalpolitik werden hier die Totgesagten im Kühlhaus auf Eis gelegt. Selbstverständlichkeiten „wie Menschenwürde“ müsste man den Volksvertretern um die Ohren schlagen.

Doch die Mönchengladbacher haben aufgehört die Politiker zu kritisieren, ja sich überhaupt für sie zu interessieren. Leider sind die inneren Emigranten aus Mönchengladbach die Traumbürger der gewählten Verfassungsfeinde. Sie befolgen die Gesetze, zahlen ihre Steuern und sind das Stimmvieh für den Machterhalt der opportunistischen Volksvertreter aus Mönchengladbach. Geht es um Problemlösungen für die Ärmsten der Armen denken sie nicht weiter als eine fette Sau springen kann.

Mit gesunder Menschenverachtung folgt die politische Klasse Konrad Adenauers Lehrsatz: „Der Durchschnittswähler denkt primitiv und er urteilt auch primitiv“. Diese Argumentationsmuster dienen der Rechtfertigung die Minderheit der wohlhabenden vor den bescheidenden Forderungen der mehrheitlich Armen Bevölkerung zu schützen. Die 82-jährige Rentnerin im WDR Beitrag ist nur ein Spiegelbild der Gesellschaft, die arme Alte wie den letzten Dreck behandelt. Der Anspruch auf Gleichheit und Menschenwürde ist das Vorrecht einer elitären Sippengemeinschaft.

In dieser verkehrten Welt wird der Anspruch auf Menschenrechte nach dem Vermögen des Betroffenen bemessen. Die Verfechter und Anwälte dieser Ideologie sind gewählte Volksvertreter. Wie ein roter Faden zieht sich die Entwürdigung durch die Republik vom Asylbewerber über Tote bis zum Zahnlosen Kassenpatienten, betroffen sind ausnahmslos die Schwächsten. Aktionäre schlüpfen unter Rettungsschirme, Obdachlose stehen im Regen.

Die Bankrotterklärung einer Republik, ein Musterbeispiel für politische Verwahrlosung und das Ergebnis von „Politik auf Zuruf". Das Gesamtkunstwerk nennt sich Demokratie in der Politik meistbietend ersteigert wird. Doch der traditionell kriecherische Mainstream hält jegliche Proteste für anstößig. Desorientiertheit wohin man sieht, Chaoten die Autos anzünden statt das Regierungsviertel.

 

 

 

 

 


VON: THOMAS WASILEWSKI






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