BA-Schwindel zur Kinderarmut - und die Realität
27.01.12
Soziales, Wirtschaft
von Reinhold Schramm
“Kinderarmut bleibt das zentrale sozialpolitische Problem in Deutschland“
Laut Bundesagentur für Arbeit beantragen immer weniger Eltern staatliche Unterstützung für ihre Kinder. Nach der Analyse der BA ging die Zahl der unter 15-Jährigen Hartz-IV-Empfänger zwischen 2006 und 2011 von 1,9 Millionen auf knapp 1,64 Millionen zurück. -
BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt wertete dies als Erfolg: “Weniger Kinder in Hartz IV bedeutet, dass es den Jobcentern gelungen ist, ihre Eltern in Beschäftigung zu integrieren.“ -
[Anmerkung: Kein Wort über die statistischen Zahlen und Bewertungsgrundlagen, über die BA-Praxis und ARGE-Methodik zur “Integration in Arbeit“ und die anschließende Billig-Bezahlung, Zeitfirmenarbeit und Leiharbeit u.a.m.] *
“Auch Langzeitarbeitslose oder gering Qualifizierte profitieren[?] verstärkt von der Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes“, sagte Heinrich Alt. (Vgl.)
»Markus Grabka, Sozialexperte im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, warnte davor, die Zahlen der Bundesagentur überzubewerten. “Kinderarmut bleibt das zentrale sozialpolitische Problem in Deutschland“, sagte er. Wenn Eltern mit ihren Kinder aus Hartz IV herauskämen, sei das längst keine Garantie, nicht von Armut betroffen zu sein. Das Risiko bestehe gerade auch für Menschen, die im Niedriglohnsektor arbeiten.« (Vgl.) [1]
Leser-Kommentar von Gerd H.: “Die Meldung müsste lauten: ‘Immer mehr Eltern versuchen sich aufgrund der desaströs schikanösen Verhältnisse in den Ämtern ohne die ihnen zustehende Hilfe durchzuschlagen!’ - Es ist heutzutage doch so, dass wenn ein Kind Alg. II bezieht, es damit rechnen muss mit erreichen der Volljährigkeit hochverschuldet zu sein. Natürlich versuchen das viele Eltern ihren Kindern zu ersparen.“ (Vgl. Zeit-Online am 26.01.2012) [1]
DGB: kein Zeichen für abnehmende Armut von Kindern
“Dass die Zahl der Hartz IV-Bezieher zurückgeht, ist erfreulich, bedeutet aber längst nicht, dass tatsächlich weniger Kinder in Armut leben müssen. Zwar hat sich die Zahl der arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger verringert, doch gleichzeitig ist die Zahl der erwerbstätigen Hartz-IV-Empfänger auf 1,4 Millionen gestiegen. Dies sind fast 45 % ,working poor’ mehr als fünf Jahre zuvor.“ (Annelie Buntenbach, DGB-Vorstand) -
“Neben der ,amtlichen Hartz IV-Armut’ zeigt sich die tatsächliche Dimension der Kinderarmut am wachsenden Niedriglohnsektor, der nicht zuletzt durch Hartz IV weiter wuchert. Die neuen Arbeitsverhältnisse liegen überwiegend im Niedriglohnsektor. Fast jeder Zweite muss nach Hartz IV immer noch mit einem Stundenlohn von weniger als 7,50 Euro auskommen. In Ostdeutschland sind es sogar 59 % derjenigen, die eine Erwerbsarbeit aufnehmen. Fast jeder Sechste verdient sogar weniger als fünf Euro.“ -
“Wer Arbeit sucht, findet meist auch keine stabile Beschäftigung. Im Laufe eines Jahres gehen etwa 2,2 Millionen in Hartz IV, genau so viele verlassen das System wieder. Aber fast 50 % waren in den letzten zwölf Monaten schon einmal im Leistungsbezug, fast 30 % sogar in den letzten drei Monaten.“ - “Es kommt darauf an, den Teufelskreis von Hartz IV und Niedriglohnsektor endlich zu durchbrechen. {...}“ (Annelie Buntenbach) (Vgl.) [2]
Auch die BA-Statistik ist ein Schwindel nach unten!
Der Deutsche Gewerkschaftsbund berichtete am 19.05.2008 wie folgt: „Die Dimension des Armutsproblems wird umso deutlicher, wenn man berücksichtigt, dass die Armutsschwelle trotz der hohen Inflation von 2003 bis heute (von 938 auf 781 Euro) abgesenkt wurde.“ (DGB, Mai 2008) -
Berücksichtigen wir die Inflation von 2003 zu 2008 [bzw. 2003 - 2012] bei der Neubewertung, im Jahr 2003 lag die Armutsschwelle bei 938 Euro, so liegt die Armutsschwelle im Mai 2008 bereits bei 1035,63 Euro [- und im Januar 2012 bereits bei rund 1100,- Euro]. Auf dieser Grundlage der jährlichen Fortschreibung erfolgt auch die Neu-Berechnung. (Vgl.) [3]
Quelle: [1] Zeit-Online, 26.01.2012. Statistik: »Kinderarmt sinkt deutlich« [Schwindel nach unten!] www.zeit.de/gesellschaft/familie/2012-01/kinderarmut-deutschland-studie-hartz4
[2] DGB-Bundesvorstand, 26.01.2012: Tatsächliche Kinderarmut misst sich am Niedriglohnsektor. Von Annelie Buntenbach. www.dgb.de/themen/++co++22a5d376-4813-11e1-7adb-00188b4dc422
[3] Der Armutsbericht der Bundesregierung ist ein Schwindel nach unten! * www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/schramm.pdf
VON: REINHOLD SCHRAMM
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