AWO Köln – mehr Hartz als Herz


Bildmontage: HF

23.01.12
SozialesSoziales, Köln, NRW 

 

von Horst Hilse - (SOKO – Köln)

Die Arbeiterwohlfahrt ist eine der wenigen Selbsthilfeorganisation der alten Arbeiterbewegung, die den Wandel der Zeiten überlebt hat. Die AWO, gegründet 1919 als »Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt der SPD«, gehört zu den sechs Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland und beschäftigt bundesweit 145.000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der Kreisverband Köln der AWO gehört mit etwa 800 Beschäftigten zu den größeren Kreisverbänden in NRW. Die AWO unterhält in der Stadt acht Kindertagesstätten, zwei Seniorenzentren, einen häuslichen Pflegedienst und eine Seniorenberatung. Die Kreisverband ist außerdem in der Jugendgerichtshilfe aktiv, berät Migrantinnen und Migranten und betreibt in zwei Jobbörsen die Arbeitsvermittlung von Hartz-IV-Empfängerinnen und Empfängern.

Bis heute ist die AWO in Köln der SPD eng verbunden. Dem Vorstand, der im November letzten Jahres neu gewählt wurde, gehören etliche Partei- und Gewerkschaftsveteranen an.
Vorsitzender ist der Historiker, Kulturpolitiker und frühere SPD-Ratsmann Franz Irsfeld, seine Stellvertreterin ist die ehemalige SPD-Ortsvereinsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Donata Reinecke. Als Ehrenvorsitzender amtiert der frühere Kölner DGB-Vorsitzende und SPD-Landtagsabgeordnete Dieter Blumenberg.

Die Geschäftsführung des Kölner Kreisverbandes liegt in den Händen von Ulrike Volland-Dörmann, der Ehefrau des Kölner SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Dörmann. Volland-Dörmann machte als Wahlkampfbetreuerin für Norbert Burger im Jahr 2000 Parteikarriere, war in den damaligen Spendenskandal verwickelt und löste 2002 Hans-Gregor Kremer in der AWO-Geschäftsführung ab.
Stellvertretender Geschäftsführer ist Stefan Kersjes, der Sohn des langjährigen nordrhein-westfälischen IG Druck-Vorsitzenden Franz Kersjes.

Seit Übernahme der Geschäftsführung durch Volland-Dörmann ist der Ton bei der Kölner AWO deutlich rauer geworden.
Volland-Dörmann weitete die Geschäftsfelder des Wohlfahrtsverbandes konsequent aus und nutzte dabei vor allem das arbeitsmarktpolitische Instrumentarium der Hartz-Reformen. Prekäre Arbeitsverhältnisse wie 400-Euro-Jobs, ARGE-Maßnahmen, Jahrespraktikas, Befristungen und geringfügige Teilzeitarbeit sind heute bei der AWO üblicher Standard.

Der Betriebsrat der Arbeiterwohlfahrt unter Vorsitz von SPD-Mann Turan Özkücük, war bei dieser Politik lange ein verlässlicher kooperierender Sozialpartner. Erst nach der letzten Betriebsratswahl im April 2010 fand das Gremium Mut zum Widerstand und protestierte gegen illegale Kettenbefristungen im Bereich der »Offene Ganztagsschule«.

Seitdem herrscht Krieg bei der Kölner Arbeiterwohlfahrt.
Im Februar 2011 verweigerte Geschäftsführerin Volland-Dörmann die Zahlung einer Schulungsmaßnahme des Betriebsrats. Es kam zu einem Arbeitsgerichtsverfahren, das zur Zeit noch andauert.

Im August 2011 sourcte die AWO den gesamten OGS-Bereich mit 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kurzerhand aus, um die Mitbestimmung zu unterlaufen. Immer wieder wurden einzelne Betriebsräte von Volland-Dörmann eingeschüchtert und schikaniert.

In jüngster Zeit eskalierte die Auseinandersetzung, als der Betriebsrat erstmalig in seiner Geschichte die gesetzliche Möglichkeit einer Freistellung für seine Arbeit nutzte.
Mit einer halben Stelle freigestellt wurde die Betriebsrätin Renate S., die seit 27 Jahren bei der AWO als Krankenschwester beschäftigt ist.
Volland-Dörmann zahlt für die Freistellung seitdem kein Gehalt mehr. Begründung: Nach einer Langzeiterkrankung sei S. als Krankenschwester nicht arbeitsfähig.

Von einem ärztlichen Attest, dass die Arbeitsfähigkeit der Betriebsrätin belegt, ließ sich die Geschäftsführung nicht beeindrucken.
Auch in dieser Sache läuft zur Zeit ein Arbeitsgerichtsverfahren. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die weitere 'Verhartzung' bei der Kölner AWO weiter entwickeln wird.
Der 'Hartz-Käse' bei der Kölner AWO stinkt jedenfalls bereits heute zum Himmel und verpestet nicht nur die sozialdemokratische Luft in Köln.


VON: HORST HILSE






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