Von Reinhold Schramm
Der Begriff der relativen Armut beschreibt eine Unterversorgung mit materiellen und immateriellen Ressourcen im Verhältnis zum Wohlstand der jeweiligen Gesellschaft. Nach der Definition der WHO und der OECD sind Menschen von relativer Armut betroffen, wenn ihnen monatlich weniger als die Hälfte oder 60 Prozent des mittleren Einkommens im Heimatland zur Verfügung steht. -
Die sozio-kulturelle Armut bezeichnet die gesellschaftliche Ausgrenzung, das psychisch-geistige Gefühl der Ausweglosigkeit der Betroffenen und die (reale) ungleiche Verteilung von Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dazu gehören unter anderem: beengte Wohnumstände, ein Ausschluss von Freizeitaktivitäten, unzureichende Bildung und/bzw schwerwiegende Beeinträchtigung der Bildungsmöglichkeiten und Persönlichkeitsentfaltung. -
Armutsgefährdet ist, wer mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens der Bevölkerung auskommen muss. Im Jahr 2008 waren Alleinlebende gefährdet, wenn sie weniger als 11.151 Euro im Jahr, also weniger als 929 Euro (Netto) im Monat, zum leben hatten. (Vgl. Statistisches Bundesamt / Europäische Gemeinschaftsstatistik EU-SILC 2009). (Vgl.) [1]
Befreien wir die statistische Berechnung von der regierungsamtlichen Zahlenkosmetik (- nach unten), so sind im Jahr 2012 Alleinlebende armutsgefährdet, wenn sie weniger als 13.308 Euro im Jahr, also weniger als 1.109 Euro (Netto) im Monat, zum leben haben. [Stand: Januar 2012] -
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) berichtete bereits am 19. Mai 2008 zum Armutsbericht wie folgt: „Die Dimension des Armutsproblems wird umso deutlicher, wenn man berücksichtigt, dass die Armutsschwelle trotz der hohen Inflation von 2003 bis heute (von 938 auf 781 Euro) abgesenkt wurde.“ (2003 - 2008) [2] -
Im Jahr 2003 lag die Armutsgefährdung bereits bei Netto unter 938 Euro. Aus Kosten- und Umverteilungsgründen erfolgte die sozialpolitische und rechtsideologische Absenkung der Gefährdungsschwelle durch die bisherigen Bundesregierungen. Berücksichtigen wir die differenzierte Teuerung und Inflation seit 2003, so liegt die aktuelle Armutsgefährdung für Alleinlebende bei unter 1.109 Euro (Netto) im Monat (- die Differenz von 2003 zu 2012 berücksichtigen). Entsprechend dem Personen- bzw. Familienstand können wir damit die tatsächliche Armutsschwelle in der Reichtumsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland berücksichtigen und den (finanziellen) Anspruch neu berechnen. (Vgl.) [2]
Quelle: [1] “Sozialpolitik.com“, Stiftung Jugend und Bildung, Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). - Hintergrundinformationen, Armut und Reichtum. Relative Armut und sozio-kulturelle Armut. - Unterrichtsmaterial Sozialpolitik - Schutz, Gerechtigkeit, Sicherheit - Armut und Reichtum
http://www.sozialpolitik.com/webcom/show_article.php/_c-98/_nr-56/_p-2/i.html
[2] Vgl. LabourNet.de Germany (bereits) am 20.05.2008:
»Der Armutsbericht der Bundesregierung ist ein Schwindel nach unten!«
http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/allg/schramm.pdf
07.01.2012, Reinhold Schramm