"Working Poor" - in der Deutschland AG - Tendenz steigend

20.04.11
SozialesSoziales, Wirtschaft, TopNews 

 

von Reinhold Schramm

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit (BA), zeigen neuere Forschungsbefunde, dass Armut auch unter Vollzeitbeschäftigten zunimmt.

Als "Working Poor" werden lohn-, gehalts-, vergütungsabhängige Frauen und Männer (Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter, - Werktätige, - Arbeiterklasse, - Proletariat) bezeichnet, die trotz bezahlter Vollzeitarbeit unterhalb der nationalen Armutsgrenze leben.

Die "Lohnarmutsgrenze" liegt laut Europäischer Union (EU) bei 60 Prozent des "durchschnittlichen" Vollzeiterwerbseinkommens eines Landes. [1] "Hartz IV ist mittlerweile auch ein staatlich finanziertes Sicherungssystem für Erwerbstätige mit Niedriglöhnen. Über zwei Milliarden Euro pro Jahr schießt der Staat allein für Geringverdiener mit vollzeitnahen Erwerbstätigkeiten zu - und subventioniert so auch Arbeitgeber, die Arbeitnehmer zum Hungerlohn beschäftigen." (2008, Textauszug, IAB-Doku) [2] *

Laut Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) waren 1997 rund 10 Prozent der Niedriglohnbezieher in Deutschland arm, 2008 waren es fast 18 Prozent. Geringverdiener sind immer öfter Alleinverdiener. Angesichts eines insgesamt wachsenden Niedriglohnsektors sehen die Wissenschaftler, Hennig Lohmann und Hans-Jürgen Andreß, in diesem Trend der Entwicklung ein Anzeichen für wachsende soziale Probleme. Niedriglohnbeschäftigung könne nicht mit dem Hinweis - aus Wirtschaft und Politik - gerechtfertigt werden, dabei handele es sich doch nur um "Zusatzeinkommen für Mittelschicht-Haushalte". [3]

"In Deutschland dämpft die Zusammensetzung der Haushalte die Armutsquote. Weil viele - oft weibliche - Geringverdiener mit besser verdienenden Partnern zusammenleben, führen niedrige Verdienste nicht zwangsläufig zu Armut." [4]

Quellen
vgl.:
[1] IAB: Working Poor - Arm trotz Vollzeitbeschäftigung?
http://infosys.iab.de/infoplattform/dokSelect.asp?pkyDokSelect=49&show=Lit
[2] Vgl.: Adamy, Wilhelm (2008): Staat subventioniert Armutslöhne mit Milliardenbeträgen. In: Soziale Sicherheit. Zeitschrift für Arbeit und Soziales, Jg. 57, H. 6/7, S. 219-226. IAB:
www.iab.de/764/section.aspx/Publikation/k080630803
[3] Vgl.: Hennig Lohmann und Hans-Jürgen Andreß: Autonomie oder Armut? Zur Sicherung gleicher Chancen materieller Wohlfahrt durch Erwerbsarbeit, in: WSI-Mitteilungen 4/2011.
 www.boeckler.de/pdf/impuls_2011_07_3.pdf
[4] Hans-Böckler-Stiftung, 20.04.2011. Untersuchung in den neuen WSI-Mitteilungen. "Working Poor" in Deutschland: Sieben Prozent der Erwerbstätigen sind arm, Tendenz steigend. www.boeckler.de/320_113616.html

*) Anm. zur Begrifflichkeit: "Arbeitgeber" und/bzw. "Arbeitnehmer". Merke hierzu: lohn-, gehalts- und vergütungsabhängige -werktätige- Frauen und Männer "geben" (= Arbeitgeber), und: Bourgeois, Unternehmer und/bzw. deren Administrationen "nehmen" (= Arbeitnehmer). Diese, häufig auch vorsätzlich, inhaltlich falsche Begrifflichkeit durchzieht die gesamte bürgerliche und sozialdemokratische Wissenschaft (- bürgerliche Ideologie und Weltanschauung, Anpassungs- und Systemwissenschaften).


VON: REINHOLD SCHRAMM






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