Österreich: Rentenvorbild oder nicht?


Bildmontage: HF

17.09.17
SozialesSoziales, Sozialstaatsdebatte, Internationales, Debatte 

 

Von Holger Balodis

Derzeit tobt bei der Rente ein Glaubenskrieg: Taugt Österreich für uns als Vorbild oder nicht? Bereits im Sommer hatte Prof. Bert Rürup in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen die Richtung vorgegeben: „Kein Vorbild für Deutschland“. In der ARD-Wahlkampfsendung vom 5. September bügelte Moderatorin Sonia Mikich den Verweis von Sahra Wagenknecht auf die guten österreichischen Renten regelrecht vom Tisch: Das sei nicht vergleichbar, Wagenknecht vergleiche hier quasi Äpfel mit Birnen. Solche Fälle häufen sich: Immer schärfer wird gegen den Hinweis auf die guten österreichischen Renten geschossen. Diejenigen, die an schlechten Renten in Deutschland interessiert sind, haben offenbar die Devise ausgegeben: Erstens das Rentenmodell Österreich miesmachen und zweitens Vergleiche mit Deutschland im Keim zu ersticken. Dabei ist die Faktenlage eindeutig und damit ist es beileibe keine Glaubensfrage: Das österreichische Rentensystem ist darauf ausgelegt, nach 45 Jahren Arbeit im Alter von 65 eine Rente zu zahlen, die 78 Prozent des früheren Einkommens ersetzt. Ergebnis: Männer erzielen dort eine Durchschnittsrente von brutto 2.002 Euro. Knapp Tausend Euro mehr als bei uns. Die mangelnde Vergleichbarkeit ist ein Märchen. Kein anderes Rentensystem unserer Nachbarstaaten ist dem deutschen so ähnlich wie das in Österreich. Es ist halt nur besser. Der Verweis auf die angeblich günstigere Demografie zieht nicht: Die Geburtenraten sind ähnlich niedrig wie bei uns. Was die Österreicher aber besser machen: Sie lassen alle einzahlen, auch Selbstständige, Freiberufler und Beamte. Und auch der Staat gibt mehr Geld: Unterm Strich wendet die Alpenrepublik 14 Prozent des Sozialprodukts für die Alterssicherung auf. Deutschland noch nicht mal 10 Prozent. Das Ergebnis ist bekannt. Bleibt noch ein Argument der Österreich-Kritiker: Dort seien die Renten anfangs zwar höher, sie würden dann aber „nur“ noch mit der Inflationsrate erhöht. Hallo??? Wer mit einer hohen Rente einsteigt und dann jährlich den Kaufkraftverlust ersetzt bekommt, wer sollte darüber meckern? Unser Eindruck: Hier soll ein System schlecht geredet werden, das uns eindrucksvoll zeigt, wie gute Renten funktionieren können. Holger Balodis und Dagmar Hühne: Die große Rentenlüge – Warum eine gute und bezahlbare Altersicherung für alle möglich ist, Westend Verlag, 208 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-864889-177-9)







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