BAYER muss aufarbeiten!

03.12.22
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Ehemalige Heimkinder verfassen Brief an Pharmaindustrie

Von CBG

Der „Verein der ehemaligen Heimkinder in Schleswig-Holstein“ fordert den BAYER-Konzern auf, sich den immensen gesundheitlichen Schäden zu stellen, die seine Arznei-Tests mit Heimkindern verursacht haben. „Helfen Sie uns, unser erlittenes Leid aufgrund ihrer Mitverantwortung in der Vergangenheit aufzuarbeiten, damit wir unsere eigene Geschichte und unser Schicksal verstehen“, heißt es in dem an den Vorstandsvorsitzenden Werner Baumann adressierten Brief.

Der Konzern hatte von den 50er bis in die 70er Jahre Medikamentenversuche an Heimkindern durchgeführt und später Großpackungen – sogenannte „Anstaltspackungen“ – der getesteten Präparate an die Heime verkauft. Der Konzern profitierte so doppelt: Erst erprobte er günstig seine Medikamente, dann konnte er sie in großen Mengen absetzen. Zu den Pillen, die den Heimkindern unter Zwang verabreicht wurden, zählten unter anderem Atosil, Megaphen und Aolept der Marke BAYER. Mit diesen Medikamenten wurden die schutzlosen Heimkinder teilweise über mehrere Jahre dauersediert, was bei Ihnen teilweise lebenslängliche körperliche und psychische Schäden hinterließ.

In dem Brief beschreibt Franz Wagle, der Vorsitzende des Vereins, wie der BAYER-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann 2019 auf der Hauptversammlung  zunächst eine Beteiligung BAYERs an den Medikamentenversuchen abgestritten hatte. Wegen des starken öffentlichen Drucks, den die Vertreter*innen der Heimkinder mit Hilfe der CBG schaffen konnten, war der Konzern allerdings gezwungen zu reagieren. Der Vorstand witterte ein PR-Desaster und bot den dreien noch auf der HV selbst einen Zugang zum BAYER-Archiv an. Im Archiv selbst fanden die Heimkinder dann Belege für „Medikamentenversuche in der Psychiatrie in Schleswig-Holstein, in den Landesanstalten und Kliniken“, wie es in dem Schreiben heißt. Ebenso stießen sie auf Unterlagen, die Honorar-Zahlungen des Leverkusener Multis an die Ärzt*innen der Anstalten ausweisen.

Neben der ethischen Fragwürdigkeit bewegten sich die Versuche auch rechtlich in einer Grauzone, so die Heimkinder in dem Brief. Sie arbeiten klar heraus, dass die Test-Reihen möglich blieben, weil BAYER & Co. erhebliche Lobby-Bemühungen unternahmen, um strengere Vorschriften zu unterbinden. Damit schafften sie es, dass die Versuche an Menschen bis zum Arzneimittelgesetz von 1976 (in Kraft ab 1978) keinen staatlichen Regelungen unterlagen. Dies ging erheblich zu Lasten der Patient*innen, unter anderem der ehemaligen Heimkinder, deren Martyrium nun erheblich länger andauerte.

Die ehemaligen Heimkinder klagen in ihrem Brief an: „Sie, die Medikamenten-Industrie, haben also Ihre neuen Medikamente in den Landes- und Universitätskliniken und den Behinderteneinrichtungen in Zusammenarbeit mit den Ärzten getestet, Psychopharmaka gezielt für psychiatrische Anstalten und Behinderteneinrichtungen angepriesen mit Vertriebsstrategien, dazu viele Millionen DM durch die Dauersedierung in Heimen und Anstalten eingenommen … und uns die Ausbildungschancen durch die Dauersedierung zerstört und einige von uns dauerhaften Schäden ausgesetzt.“

Aber die Geschädigten sind nicht mehr bereit zu akzeptieren, dass BAYER vor diesem Skandal die Augen verschließt: „Die Zeiten, wo man wie Herr Baumann 2019 sagen konnte, da war überhaupt nichts, sind vorbei.“ 

Marius Stelzmann, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren, kommentiert den Brief den Heimkinder mit den folgenden Worten: „BAYER ist verpflichtet, die Heimkinder zu entschädigen. Mit der Gabe von Medikamenten, sowohl in Tests als auch in Anstaltspackungen, hat der Konzern bei vielen von Ihnen lebenslange Schäden angerichtet. Für diese Verbrechen hat der Konzern Millionen an Profit eingestrichen. Die Heimkinder haben lange gekämpft. Es wird Zeit, dass sie endlich Gerechtigkeit erfahren!“







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