Inflation als Messlatte für Rentenerhöhungen?

11.01.22
SozialesSoziales, Wirtschaft, TopNews 

 

Von Holger Balodis

Ein Bericht der Süddeutschen Zeitung* sorgte kürzlich für Aufsehen: In den vergangenen 20 Jahren (genaugenommen von 2000 bis 2020) seien die Renten stärker gestiegen als die Inflation, mit anderen Worten: Goldene Jahre für die Rentner? Zu Recht widerspricht Verena Bentele vom Sozialverband VdK. Ein Vergleich mit der Inflationsrate führe in die Irre. Deutsche Renten müssten sich – so die Vorgabe - nicht an der Inflation sondern an den Löhnen orientieren. Doch genau das wird von der Politik bewusst missachtet. Im jüngsten Rentenversicherungsbericht prognostiziert die Bundesregierung Lohnsteigerungen von 2021 bis 2035 um 53 Prozent. Die Renten sollen im selben Zeitraum nur um 37 Prozent wachsen. Mit anderen Worten: die Renten werden künftig weiter systematisch abgekoppelt vom wirtschaftlichen Fortschritt. Dass dies auch für die Vergangenheit gilt, lässt sich leicht belegen. Im Jahr 2000 betrug das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2,109 Billionen Euro und die Standardrente (nach 45 Versicherungsjahren) lag bei brutto 1.114 Euro monatlich. 20 Jahre später lag das BIP bei 3,336 Billionen (+ 58 Prozent) und die Standardrente bei brutto 1.513 Euro (+ 35 Prozent).** Im Klartext: Während der „Kuchen“, aus dem Gewinne, Löhne und aller Sozialaufwand finanziert werden, um stattliche 58 Prozent wuchs, ist die Standardrente lediglich um 35 Prozent gestiegen. Und in dieser Zahl sind Verschlechterungen des Rentenrechts, die sich nicht auf die Standardrente auswirken, gleichwohl aber beim Einzelnen zu einer niedrigeren Rente führen, noch nicht berücksichtigt. Fazit: Die deutschen Rentner wurden und werden völlig unzureichend am volkswirtschaftlichen Reichtum dieses Landes beteiligt. Darüber kann auch eine Phase, in der die Rentenerhöhungen über der Inflationsrate lagen, nicht hinwegtäuschen. Apropos Rentenerhöhung nach Inflationsrate. Es gibt Länder, die ein solches Konzept verfolgen, wie zum Beispiel Österreich. Doch bekommen die Pensionäre in der Alpenrepublik erheblich höhere Renten im Vergleich zu deutschen Rentnern. Während in Österreich nach 45 Arbeitsjahren im Alter rund 80 Prozent des früheren Lohnes gezahlt werden, sind es hierzulande deutlich weniger als 50 Prozent. Wer also so gut abgesichert ist wie die österreichischen Pensionisten, der kann mit einem Inflationsausgleich gut leben. Die deutschen Rentner brauchen deutlich mehr.

* https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/rente-altersvorsorge-rentenversicherung-inflation-1.5500454?reduced=true
**Alle Zahlen aus: Rentenversicherung in Zeitreihen, Berlin, 2021

Holger Balodis und Dagmar Hühne: Rente rauf! So kann es klappen, DVS Verlag, 204 Seiten, 18 Euro (ISBN 978-3-932246-98-2)
Sie bekommen das Buch schnell und portofrei entweder direkt über uns (balodis@vorsorgeluege.de) oder den Frankfurter DVS-Verlag (http://www.dvs-buch.de/).







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