Ich sage es ja, alles über 60 einschläfern…


Bildmontage: HF

11.08.12
SozialesSoziales, Debatte 

 

von Rolang Oeser

Wenn man einkaufen geht, wer hält die anderen Leute an der Kasse auf?
Die Alten!

Wenn man sich mit dem Auto bewegt, wer fährt unsicher und bringt den Verkehr teilweise zum Erliegen?
Die Alten!

Wenn über vergangene Zeiten geredet wird, wer haut als erstes auf die Pauke nach dem Motto: „Früher war alles besser!“
Die Alten!

Ich werde jetzt 62 Jahre alt, und ich habe die Statements selber ausgewählt. Es stimmt (zum Teil). Warum stimmt es? Weil ich an mir selber feststellen konnte, welche Veränderungen bei mir passiert sind. Keine Angst, ich halte immer noch keine Schlangen an der Kasse im Supermarkt auf, bin auch immer noch in der Lage, jemanden im Fahrsicherheitstraining zu unterweisen, und ich stehe auch nicht auf solchen Sprüchen wie „Früher …“, weil das nicht stimmt. Was ich aber feststellen musste die letzten Jahre, die gesamte Leistungsfähigkeit lässt nun mal nach mit dem Alter. Das ist aber ganz natürlich.

Was mich dann besonders ärgert, ist, wenn ich nicht mitbekomme, trotzdem ich schon viele Medien zumindest überfliege, was derzeit im Bezug auf die Alten läuft:

Quelle:
www.altersdiskriminierung.de/themen/artikel.php &#61663

„Wie die Alten die Jungen ausplündern“ (SPIEGEL),
„Die Jungen werden verschaukelt“ (Henning Krumrey, 38, FOCUS),
„Rentner – Leben auf Kosten der Anderen“ (Viktoria Unterreiner, 29, DIE WELT),
„Ran an die Rente“ (FOCUS),
„Ran an das Geld der Rentner“ (Dorothea Siems, 40, DIE WELT).
„Die gierigen Alten“ (Jörg Tremmel, 33, SRzG in 3-Sat),
„Alte gebt den Löffel ab“ (Jan A. Dittrich FDP, 29, in BILD),
„Die Alten haben zu wählen - Verzicht oder Krieg“ (Hans-Ulrich Jörges, Jahrgang 1951, STERN)
Die FAZ schrieb: „Nie zuvor haben die Älteren ihre Nachkommen so schamlos ausgenommen."

Ende der Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat.

Als ich heute über einen Artikel auf den Nachdenkseiten darauf gestoßen bin, verschlug es mir die Sprache. Der Artikel ist hier nachzulesen:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=14114

Ich habe auch keine Lust, auf die einzelnen Argumentationen der Autoren einzugehen. Ich kann denen nur so nebenbei den Hinweis geben:

  • Wo wärt ihr heute, wenn es diese Alten früher nicht gegeben hätte? Gäbe es euch?
  • Wer hat dafür gesorgt, das ihr eine Ausbildung habt und heute so kluge Statements verfassen könnt?
  • Könnt ihr euch vorstellen, dass viele dieser Alten auf einiges verzichtet haben, nur weil sie euch ein besseres Leben ermöglichen wollten, als sie es selber gehabt haben in der Jugend?
  • Was können die Alten dafür, wenn sich die politische Lage im Land ändert, nach und nach alles sozialen Errungenschaften abgeschafft werden und aufgrund von Wirtschaftsinteressen die Stimmung erzeugt wird, jeder muss doch für sich selber sorgen?

Und besonders die Frage:

  • Was habt ihr denn schon mal im Hinblick auf eure eigene Altersversorgung getan? Schön brav in irgendwelche privaten Versicherungen eingezahlt, die euch dann Jahr für Jahr mitteilt, die erwarteten Erträge wurden leider nicht erzielt. Und bei einer irgendwann sicher kommenden Währungsreform ist dann alles weg – egal, wie lange ihr eingezahlt habt.

Fazit

Die Autoren haben nichts verstanden, oder sie wurden genötigt, so einen Mist zu schreiben. Denn es sind Politologen und andere Studierte darunter, und ich kann mir nicht vorstellen, das Ergebnis eines abgeschlossenen Studiums ist heute ein Brett vor dem Kopf.

 


VON: ROLANG OESER






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