Organisationsdebatte


Bildmontage: HF

18.12.11
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von G. Karfeld

Der Artikel von Wal Buchenberg „Konkurrenz oder Kooperation“ hat einen Sturm im Wasserglas erzeugt.

Eitelkeit und Machtstreben sind menschliche Eigenschaften und sie sind auf allen Ebenen der Gesellschaft gegenwärtig. Ob im Arbeitsleben, in Familien, in den kapitalistischen oder in sozialistischen Parteien.

Nicht nur, dass diese Eigenschaften in verschiedener Ausprägung  im Menschen vorhanden sind, die Macht selbst verändert den Menschen ebenfalls sehr stark.

Bundeskanzler Adenauer soll folgenden Satz geäußert haben. „was wird wohl aus Deutschland wenn ich einmal nicht mehr bin“. Dies zeigt die maßlose Selbstüberschätzung und den Größenwahn, wie er sehr häufig mit dem Besitz von Macht einher geht.

Als jüngeres Beispiel kann man auch den Lebensweg und die Wandlungen des ehemaligen Außenminister J. Fischer sehen oder die uneingeschränkte Herrschaft eines Fidel Castros bis ins hohe Alter und die Übergabe der Macht an seinen Bruder nach Art einer Monarchie. Die Kommunistische Vergangenheit ist gezeichnet von Machtkämpfen und Konkurrenzkämpfen.

Zahlreiche KommunistInnen wurden Opfer dieser Machtkämpfe. Persönlicher Machtanspruch, rein um der Macht Willen gilt als negativer Charakterzug. Deshalb müssen sehr häufig politische Theorien zur Abgrenzung herhalten. Man steckt sein Revier ab und versucht es zu vergrößern. Die Ursache für die zersplitterte antikapitalistische Szene ist zum Teil auch in diesem Machtanspruchsdenken zu suchen.

Das Bochumer Programm ist ein richtiger Ansatz, er setzt auf Selbstverwaltung, Dezentralisierung und orientiert sich an aktuellen Problemen. Es wurde als reformistisch eingestuft.
Doch was ist reformistisch? Alles was nicht Revolution schreit?

An radikalen Programmen hat es doch nie gefehlt, es hat sie nur kaum jemand zu Kenntnis genommen. Die Massen haben sie ignoriert. An was hat es denn gefehlt? An einer Partei oder Organisation, deren Programm die Interessen der Lohnabhängigen in etwa widerspiegelt, die Lösungswege für die Gesellschaftlichen Probleme sozialer sowie ökologischer Art anbietet und diese Lösungswege konsequent verfolgt.

Eine solche Organisation oder Partei begibt sich nicht ständig in die politische Defensive wie die PDL, die in ständiger Bemühung steht, sich ihre Regierungsfähigkeit durch das Kapital bescheinigen zu lassen. Sondern sie geht ihrerseits in die Offensive und zeigt auf, dass eine Lösung der allgegenwärtigen Gesellschaftlichen Probleme einschließlich der, der systemischen Krise, nur erreicht werden kann, wenn man dort operiert wo der Krankheitsherd sitzt, am kapitalistischen Profitsystem.

Jede Organisation die in ihrem Programm Verbesserungen für die breite Bevölkerung fordert, gerät in Konfrontation mit dem Kapital und seinem Staat, unabhängig davon ob die Forderungen etwas mehr oder weniger radikal ausfallen. Dieser Konfrontation muss man sich bewußt sein und man muss diesen politischen Kampf auch ganz bewußt führen.

Dass eine solche Vorgehensweiße bis jetzt regelmäßig gescheitert ist hängt weniger an der fehlenden Radikalität der Forderungen sondern am Willen und Wollen der Parteispitzen jener Parteien, die sich solche Ziele irgendwann einmal gesetzt haben. Alle diese Parteien sind demokratisch zentralistisch organisiert. Auch der gescheiterte real existierende Sozialismus war ein zentralistisches System.

Das Scheitern dieser Art der Organisation, aus Sicht der Lohnabhängigen, kann man nicht einfach ignorieren. Eine neue antikapitalistische Organisation muss deshalb auch einen Bruch mit dieser Organisationsform vollziehen.
Als alternative Organisationsform bietet sich die Räteorganisation an.

Eine Anmerkung zur Diskussion auf http://arschhoch.blogsport.de

Es liegt mir Fern die Leistungen von sozialistischen Theoretikern und Denkern zu schmälern, aber wenn die Verwendung Ihrer Thesen und Theorien überhand nehmen, bekommt das ganze einen inflationären Charakter.

Wer den jetzigen Stillstand überwinden will muss sich auch davon lösen, dass die Zukunft mit einem Rezept aus der Vergangenheit bewältigt werden kann. Es gibt in der Vergangenheit kein erfolgreiches Modell einer sozialistischen Gesellschaft, das als Vorbild für Heute dienen kann. Deshalb macht es auch keinen Sinn fast ausschließlich in der Vergangenheit danach zu suchen.




VON: G. KARFELD


Konkurrenz oder Kooperation - 13-12-11 21:36




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