Zur Organisationsdebatte


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09.12.11
OrganisationsdebatteOrganisationsdebatte, Debatte, TopNews 

 

von G. Karfeld

Auf http://arschhoch.blogsport.de findet eine Disskussion um den Aufbau einer antikapitalistischen Organisation statt. Dabei hat man offensichtlich Probleme den Begriff revolutionärer Bruch zu definieren.

Wenn die Debatte „Neue antikapitalistische Organisation“! heißt, sollte dieser Begriff revolutionäre Bruch eigentlich klar sein.
Das herausragende Merkmal der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft ist der private Besitz der gesellschaftlichen Produktion. Gesellschaftliche Produktion deshalb, weil die heutige Zivilisation mit ihren Errungenschaften nicht möglich wäre, wenn jeder sein eigener Bauer, Bäcker, Schuster, Tischler, Schneider u.s.w. wäre. Nur die gesellschaftliche Arbeitsteilung macht sie möglich (Karl Marx) und nie waren wir weiter von einer autarken Lebensweise entfernt als heute.

Dies bedeutet wiederum nie war die Abhängigkeit von der Gemeinschaft in der wir leben, auch international gesehen, größer wie heute. Die moderne Zivilisation ist deshalb vor allem eine Gemeinschaftsleistung. Die Profiteure in dieser hochentwickelten Zivilisation sind aber fast ausschließlich eine kleine privilegierte Gesellschaftsschicht, die, die gesellschaftliche Produktion kontrolliert und sich dadurch unvorstellbare Reichtümer aneignet während die, die diese Werte erarbeiten immer häufiger in Armut leben.

Wenn also die Gründung einer antikapitalistischen Organisation diskutiert wird, dürfte eigentlich für jeden klar sein, dass das Wort antikapitalistisch sich auf die Kontrolle der gesellschaftlichen Produktion bezieht und der Bruch mit dem kapitalistischen System nur über die Kontrolle der gesellschaftlichen Produktion stattfinden kann.

Das heiß die Kontrolle der gesellschaftlichen Produktion muss von den Privateigentümern auf die Gesellschaft übergehen. Wer die gesellschaftliche Produktion kontrolliert, kontrolliert auch die Verteilung der geschaffenen Werte und somit auch die Lebensbedingungen in der Gesellschaft also die Gesellschaft selbst. Wirkliche demokratische Verhältnisse sind im kapitalistischen System nicht möglich. Für den Abhängigbeschäftigten gilt deshalb, Arbeitsbedingungen sind gleich Lebensbedingungen.

Will der abhängig Beschäftigte also Einfluß auf seine Lebensbedingungen nehmen, muss er Einfluß auf die Arbeitsbedingungen und somit auf die gesellschaftliche Produktion nehmen. Einen anderen Weg gibt es nicht. Der Staat kann auf Grund der Wettbewerbssituation des nationalen Kapitals mit den Ausländischen Kapitals, siehe Karl Marx, keine neutrale Stellung zw. Kapital und Volksinteressen einnehmen. Der Staat steht im kapitalistischen System unwiderruflich fest an der Seite des Kapitals. Dies zeigte sich ganz deutlich, als die Bundeskanzlerin den Versuch startete über einen Mindestlohn oder wie sie es nannte eine Lohnuntergrenze zu diskutieren. Innerhalb weniger Tage machte die Wirtschaft (Das Kapital) dem Spuk ein Ende, selbst der geplante Armutslohn als Lohnuntergrenze kommt für das deutsche extremistische Kapital nicht in Frage.

Die Grünen, SPD und Die Linke sind, zu mindestens offiziell, für einen Mindestlohn. Es wäre also eine sehr große Mehrheit vorhanden gewesen. Es kommt nicht häufig vor dass die marionettenhaftigkeit des parlamentarischen Regierungssystem so offen vorgeführt wird. Auf gleiche Weise wurden Harz IV, Ausstieg aus dem Atomausstieg, Rente mit 67, u.s.w durchgesetzt und alle Bemühungen im Umweltschutz verhindert.

Der revolutionäre Bruch kann sich somit nur auf die Auflösung der Kontrolle der Produktionsmittel durch das Kapital beziehen. Ohne diesen Bruch sind keine wesentlichen gesellschaftlichen Änderungen durchzusetzen.
Die Diskussion kann sich also nicht um das ob, sondern nur um das wie drehen. Die eigentliche Frage stellt sich nun, wie transferiert man diese Zusammenhänge in das Bewußtsein der Lohnabhängigen?

Da gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten. Doch darüber wurde noch gar nicht diskutiert. Der Erfolg einer solche Organisation hängt meiner Meinung nach zu 80-90 Prozent davon ab, ob die Botschaft die man senden will bei der Zielgruppe, die man ansprechen will, ankommt. Nicht nur dass man sie erreicht, man muss thematisch und sprachlich auch wahrgenommen werden.
Diese Wahrnehmung wird nicht erreicht, wenn sich die Debatte sich fast ausschließlich, wie bereits kritisiert wurde, auf Ereignisse und Personen aus der Vergangenheit bezieht. Auch wenn die Ursache für die heutigen Probleme die gleiche ist. Argumentationshilfen ja, aber im Mittelpunkt sollte die Gegenwart und die heutigen gesellschaftlichen Probleme stehen.

Die heutige Krise des kapitalistischen Systems macht doch eines deutlich, der Kapitalismus ist ein gescheitertes Gesellschaftsmodell. Es darf nicht der Eindruck erweckt werden man wende sich nun wieder eines in der Vergangenheit bereits gescheiterten Modells, den real existierenden Sozialismus stalinistischer Prägung zu. Aus beiden Modellen müssen Lehren gezogen werden und über ein Neues muss diskutiert werden.
Es kann aber nichts Neues entstehen wenn das Alte nicht überwunden wird. Dies gilt es den Menschen bewußt zu machen.
 


VON: G. KARFELD






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