Marxo-Syndikalismus


Bildmontage: HF

13.01.12
OrganisationsdebatteOrganisationsdebatte, TopNews 

 

von Karl-Heinz Schubert

Thesen zum „Bochumer Programm“ – Teil 2: Die „beigefügten“ Prinzipien

Das Denken dieser „Linken“ überspringt bestimmte Entwicklungsstufen des objektiven Prozesses; die einen halten ihre Illusionen für Wahrheit, die anderen versuchen, verfrüht in der Gegenwart Ideale zu verwirklichen, die erst in der Zukunft verwirklicht werden können.
Mao: Über die Praxis

In der Ankündigung des 2. Teils meiner Kritik am „Bochumer Programm“ charakterisierte ich zusammenfassend am Ende von Teil 1 dieses als „betriebsborniert“ und vermerkte das Fehlen von wesentlichen klassenpolitische Bereichen wie Alters-/Kinderarmut, Wohnen, Mieten und Verdrängung aus sozialen Räumen wie auch Migration und das komplette Ausblenden klassenpolitisch relevanter Politikfelder wie z.B. Patriarchat, Ökologie und Repression.

Hinsichtlich dessen ist methodisch festzuhalten, dass ich das Programm aus zwei immanenten Blickwinkeln zu bewerten versuche(te):

1) Ausgehend von den Forderungen des Programms: „Alle Forderungen des Minimalprogramms zielen darauf ab, sozialem Widerstand gegen das Kapital eine offensive, selbständige Ausrichtung zu geben, die sich nicht auf Verteidigung des Status quo beschränkt.“ (Robert Schlosser) wurden diese dahingehend untersucht und erwiesen sich – gemessen an diesem Anspruch – überwiegend als untauglich.

2) Den politischen Anspruch des Programms, den Wal Buchenberg folgendermaßen formuliert: „Das Bochumer Programm zielt … auf einen Zusammenschluss aller Kommunisten, Sozialisten und Anarchisten zunächst in Deutschland, dann in Europa.“, gilt es zu prüfen, nämlich ob das Programm für den anvisierten strömungsübergreifenden Zusammenschluss geeignet ist. Bereits eingangs von Teil 1 hatte ich festgestellt, dass den Forderungen Aussagen prinzipieller Natur beigefügt wurden. Im vorliegenden 2. Teil werde ich versuchen, diese Frage zu beantworten.

Zwischenzeitlich legte Robert Schlosser, einer der maßgeblichen Programm-AutorInnen, eine Stellungnahme zum 1. Teil meiner Programmkritik vor. Darin fährt er den Anspruch des Programms dankenswerterweise auf das Niveau eines Werbeaufrufs herunter, dessen Substanz sich an individuellen Alltagserfahrungen („meine Kollegen im Betrieb sagen“) orientiert, die die AutorInnen eigenwillig mit historischem Belegmaterial zu legitimieren suchen. (1).

„Für sich stehend sind in der Tat alle Forderungen des Bochumer Programms „rein plakativ“. Ob sie allein deshalb folgenlos bleiben, wird man sehen. Dass Plakate durchaus Wirkung erzielen können, weiß man aus der Werbung. Das Plakative hat seine Vorteile.“

Dass im „Bochumer Programm“ offensichtlich das Wie über das Was dominieren soll, zeigt bereits der erste Satz, in dem es in Anlehnung an Rio Reiser („Wenn ich König von Deutschland wär“) heißt: „Immer noch herrschen Kapitalisten über ihre Unternehmen wie Könige.“

Diese Feststellung ist natürlich unterste ideologische Kajüte: Der feudale Fürst herrschte zweifellos souverän: er war das Gesetz, er exekutierte es und sprach Recht. Und dies von Geburt an durch Abstammung (2). Der Kapitalist dagegen ist eine ökonomische Charaktermaske(3). Er exekutiert die unabhängig von seinem Willen herrschenden ökonomischen Gesetze und ist ihnen gleichzeitig unterworfen. Sein ideeller Gesamtkapitalist – der Staat – bestimmt politisch, finanziell/wirtschaftlich und juristisch seinen Handlungsspielraum. Bisweilen werden seine ökonomischen Handlungen durch den Kampf der LohnarbeiterInnen (mehr oder minder) begrenzt.

Im Übrigen geht es um den Kapitalismus, der überwunden werden soll, nicht um die Beseitigung von KapitalistInnen als Personen, die persönlich Schweine sein mögen. Aber diese Verwechselungsgefahr ist unseren populistisch agierenden BochumerInnen egal. Denn man will besonders plakativ daher kommen und von den KollegInnen verstanden werden, von denen man offensichtlich annimmt, dass sie sich an den Bildern orientieren, die die Regenbogenpresse von den feudalen Mumien – wie etwa die Fürsten von Monaco, Luxemburg usw. – verbreitet.

Der zweite Intro-Satz gleich wieder ein populistisches Plakat anstelle präziser Begriffe: „In Politik und Staat sorgen neben Lobbyarbeit und Bestechung die „ökonomischen Notwendigkeiten“ dafür, dass die Interessen der Kapitaleigner an erster Stelle stehen.“

Das, was aufscheint, was die bürgerlichen Medien voyeuristisch ausschlachten und was aktuell die „Wutbürger“ vor Wulffs Präsidentenpalais treibt, wird im Bochumer Programm zur Hauptseite des Staates deklariert und seine ökonomische Funktion zur Nebenseite. Repressive, administrative und integrative Funktionen werden sogar gänzlich ausgespart. Der Staatsbegriff erschöpft sich in der deskriptiv soziologischen Formulierung vom „Vertretungsstaat“ des Syndikalisten Rudolf Rocker (4).

Dass der bürgerliche Staat sowohl von seinem Wesen her als auch in seiner Veränderung begriffen werden muss, um politisch im antikapitalistischen Sinne handlungsfähig zu sein / zu werden, geht unseren „BochumerInnen“ völlig ab. Dabei ließe sich – ohne sich in große theoretische Unkosten stürzen zu müssen – zeigen, dass der Staat in den westeuropäischen Metropolen einerseits noch Nationalstaat ist, während er gleichzeitig einem Prozess der Internationalisierung (5) unterworfen ist. Dieser Prozess verläuft widersprüchlich, da die politischen Funktionen, die auf Sicherung der Klassenherrschaft innerhalb seiner Nationalstaatsgrenzen – also seines ursprünglichen Wirtschaftsraumes – abgestellt sind, verbleiben, während seine Aufgaben als ideeller Gesamtkapitalist sich in nationale und transnationale aufspalten. Die Verlagerung solcher Funktionen in den transnationalen Raum stützt sich auf transnationale repressive und administrative Apparate, die ihrerseits auf die Klassenherrschaft in den jeweiligen Nationalstaaten umformend zurückwirken.

Die materielle Basis dieser Prozesse sind die Akkumulationszwänge des international agierenden Kapitals. Dafür werden die durch Klassenkampf im kapitalistischen Geschäftsbetrieb errichteten Gegenwehrstrukturen des Proletariats (Stichwort: Sozialstaat) geschliffen, um sie kompatibel zu den transnationalen Transformationsprozessen zu machen.

Da sich unsere „BochumerInnen“ jeglichen Hinweis auf die Abschaffung des Patriarchats verkneifen, fehlt natürlich auch bei der Staatsfrage der Hinweis auf dessen Rolle und Funktion bei der Absicherung patriarchalischer Herrschaftsstrukturen(6).

Diese theoretische Enthaltsamkeit in Sachen Staat hat seine Gründe darin, dass das „Bochumer Programm“ ein genuin syndikalistisches Programm ist. Indem die Staatsfrage für den Klassenkampf (unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen) ausgeklammert wird und andererseits in der politischen Zielformulierung „Abschaffung der Lohnarbeit mittels Selbstverwaltung der Unternehmen durch die Werktätigen ist unser wichtigstes Ziel“ (7) nicht einmal für den Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus vorkommt, werden zentrale Essentials der syndikalistischen Ideologie zu „Bochumer“ Programmeckpfeilern.

Werfen wir daher einen kurzen Blick auf die ideologischen Quellen des „Bochumer Programms“ und empfehlen gleichzeitig unseren LeserInnen ausdrücklich diese Texte vollständig zur Kenntnis zu nehmen.

„Die Behauptung der sozialistischen Parteipolitiker der verschiedensten Schulen und Richtungen, dass die Eroberung und Beibehaltung der Staatsmaschine wenigstens für die Zeit des „Überganges“ unumgänglich sei, beruht auf vollständig falschen Voraussetzungen und rein bürgerlichen Ideengängen. Die Geschichte kennt in diesem Sinne keine „Übergangsperioden“, sondern lediglich primitivere oder höhere Formen der gesellschaftlichen Entwicklung.“(8)

“Die Syndikalisten sind der Überzeugung, daß die Organisation einer sozialistischen Wirtschaftsordnung nicht durch Regierungsbeschlüsse und Dekrete geregelt werden kann, sondern nur durch den Zusammenschluß aller Kopf- und Handarbeiter in jedem besonderen Produktionszweige: durch die Übernahme der Verwaltung jedes einzelnen Betriebes durch die Produzenten selbst und zwar in der Form, daß die einzelnen Gruppen, Betriebe und Produktionszweige selbständige Glieder des allgemeinen Wirtschaftsorganismus sind, die auf Grund gegenseitiger und freier Vereinbarungen die Gesamtproduktion und die allgemeine Verteilung planmäßig gestalten im Interesse der Allgemeinheit.“ (9)

„Eine Gemeinwirtschaft entsteht nicht aus sich selbst. Am allerwenigsten eine solche, wie sie wir Syndikalisten uns vorstellen, daher müssen die wirtschaftlichen Organisationen schon heute versuchen, alle Vorbedingungen für dieselbe zu schaffen.“(10)

Die AutorInnen des „Bochumer Programms“ zumindest ihre Exponenten, Buchenberg und Schlosser, verstehen sich explizit als Marxisten(11). Für MarxistInnen ist die Staatsfrage nicht nur für Strategie und Taktik im Klassenkampf unter kapitalistischen Bedingungen, sondern gerade auch für die Errichtung sozialistischer/kommunistischer Produktionsverhältnisse eine Schlüsselfrage.

Die SIB vermerkt diesbezüglich über staatliche Strukturen in der Übergangsgesellschaft in ihrem „Na endlich Papier“:

„Eine Lehre aus diesen Fehlentwicklungen betrifft für uns die (Neu-)Justierung des Verhältnisses von Sozialismus und Demokratie. Sozialistische Demokratie wird im Gegensatz zur kapitalistischen „Demokratie“ die bürgerlichen Freiheiten mit sozialem Inhalt füllen. Trotzdem oder gerade deswegen wird es in einer nach-kapitalistischen Gesellschaft nicht weniger, sondern mehr auch „formale“ Rechte wie Organisations-, Presse-, Versammlungs-, Religionsfreiheit geben (müssen).“

Im Vergleich dazu klafft im Bochumer Programm, das verspricht, Lohnarbeit mittels Selbstverwaltung abzuschaffen, denklogisch eine Lücke(12). Diese wird von den „Bochumer“ Marxologen, um der syndikalistischen Grundierung des Programms treu zu bleiben, ein wenig hilflos umschifft, indem sie die Behauptung aufstellen:

„Egal ob kapitalistische Manager, sozialdemokratische oder kommunistische Funktionäre „im Namen der Gesellschaft“ Entscheidungen trafen, immer wurde die Mehrheit von diesen Machthabern verplant und bevormundet.“

Hilflos insofern als mit der Methode gearbeitet wird, wenn ich mich nur weit genug vom Gegenstand entferne, spielen die Unterschiede keine Rolle mehr. Nun gehört es allerdings zum ABC des Marxismus zu wissen, dass die niedergegangenen revolutionären ArbeiterInnenparteien unter der Losung „Diktatur des Proletariats“ niemals beanspruchten, im Namen der Gesellschaft, sondern im Namen des Proletariats zu handeln. Dass dabei statt einer Diktatur des Proletariats eine Parteidiktatur für das Proletariat – wie Sartre es formuliert – herauskam, führte unter allen sozialrevolutionären Kräften spätestens nach 1989 zu der Einsicht, dass sich so etwas nicht wiederholen darf. Dennoch besteht heute immer noch ein inhaltlicher Spagat zwischen der Notwendigkeit, Entwicklung und Scheitern des Realsozialismus für eine moderne antikapitalistische Praxis zu analysieren, und der Notwendigkeit, die heutige Klassenwirklichkeit programmatisch für diese antikapitalistische Praxis zu erfassen und eine antikapitalistische Organisierung voranzutreiben.

Die „BochumerInnen“ greifen ihrerseits zu obigem verbalen Taschenspielertrick, um sich um die programmatische Frage des Scheiterns des Realsozialismus herumdrücken zu können. Allerdings werden wir als marxistische Linke so keinen Schritt vorankommen, wenn wir auf diese Weise diskreditierend mit der Geschichte der sozialen und Klassenkämpfe – das heißt unser eigenen Geschichte – umgehen.

Betrachtet man die Argumente der „BochumerInnen“ unter erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten, dann lässt sich folgendes zusammenfassend sagen:

Statt kollektiver und strukturierter Untersuchung der Widersprüche und Veränderungsprozesse in der heutigen Klassengesellschaft zum Zwecke der Begründung einer kollektiven politischen Praxis (der AutorInnnengruppe mit anderen) mit dem Ziel, die Selbstorganisierung des Proletariats voranzubringen, bilden persönliche Erfahrungen aufbereitet durch mutwillige Interpretationen von mittelbaren Erfahrungen (Theorie) die Argumentationslinie des Programms. Diese Art von Empirismus, die der Unmittelbarkeit an der betrieblichen Klassenschnittstelle verhaftet ist, korrespondiert mit einem gerüttelt Maß an Buchgläubigkeit, die jede theoretische Aussage für unzutreffend hält, die nicht von den Autoren selber aus den blauen Bänden herausgefiltert wurde, um sie dann mit politischen Schablonen zurückzuweisen.

Der politische Subtext der „Bochumer“ Aktivitäten lässt sich auf eine schlichte Formel reduzieren. Robert Schlosser nennt sie uns selber in seiner Antwort auf Teil 1 meiner Kritik am „Bochumer Programm“ :

„Das Bochumer Programm provoziert eine Richtungsdebatte und Richtungsentscheidung! Es provoziert sie aber gerade nicht im Sinne der Gründung einer neuen Sekte, die das zu ihrem Springpunkt macht, was sie als selbsternannte „Avantgarde“ auszeichnet. Es provoziert sie, indem es sich an nichts anderem orientiert als an elementaren Interessen der Lohnabhängigen, wie sich sich eben aus ihren Arbeits- und Lebensbedingungen ergeben.“

Ein politisches Fazit

Das „Bochumer Programm“ ist ein mit Aktionsforderungen angereichertes syndikalistisches Richtungsprogramm, das sich mit der Behauptung, sich an alle zu wenden, an keinen konkret wendet. Gleichzeitig wird mit dem Programm aber im linksradikalen Spektrum gezielt politische Grenzziehung betrieben. Und zwar zu denen, die heute bemüht sind, einer modernen sozialrevolutionären Politik programmatische und organisatorische Konturen zu verleihen. Dies geschieht mit der scheinbar wohlwollenden Geste des Warners vorm Sektenwesen.

Die Prinzipien des Syndikalismus (mit und ohne „Bochumer“ marxistischen Anstrich), haben ihre eigene Geschichte, die schon längst auf den Prüfstand gehören. Dagegen haben ML-Organisationen und Strömungen spätestens nach 1989 mit qualitativ unterschiedlichen Ergebnissen versucht, das Scheitern der sozialistischen Staaten und damit ihrer eigenen Politik zu begreifen. Auch im autonomen Spektrum gab/gibt es selbstkritische Reflektionen über ihre „Politik der ersten Person“. Antifa-Gruppen haben infolge der Auseinandersetzung mit dem bürgerlichen, staatstragenden Antifaschismus der Antideutschen längst begonnen, in einem Selbstkritikprozess sich der Klassenfrage zuzuwenden.

Wenn wir das Zirkelwesen heute überwinden wollen, gehört dazu auch, dass wir – bildlich gesprochen – vor der eigenen Haustür kehren. Wir sollten das Ende einer solchen Aufräumarbeit jedoch nicht abwarten, sondern mit denen eine gemeinsame kollektiv verbindliche Praxis versuchen in Gang zu bringen, die bereit sind, solch eine selbstkritische Kompetenz zu entwickeln.

Anmerkungen

1) Wal Buchenberg erklärt in seiner ergänzenden Stellungnahme zum Bochumer Programm: „Diese Prinzipien der IAA und die Erfahrungen der Pariser Kommune waren unsere Leitlinie bei der Erstellung des Bochumer Programms, und nur daran kann und soll dieses Programm gemessen und kritisiert werden.“ Höhere Weihen für die eigenen Bemühungen sind kaum denkbar. Aber bei aller Selbstverliebtheit in das eigene Werk, müssen zwei Hinweise gestattet sein:

a) dass die 1. Internationale ein von heute aus betrachtet inhaltlich sehr reduzierter Zusammenschluss – sprich Gründung von Gewerkschaften – war. Wenn der Blick zurück auf diese 150 Jahre alten Erfahrungen die Untersuchung der Gegenwart für die Organisationsfrage ersetzt, ist dies fatal. Für Marx und Engels war ihre Teilnahme an der 1. Internationale von Anfang bis Ende überwiegend taktischer Natur, politisch-strategisch ging es ihnen um die politische Organisierung der Klasse für den Sozialismus, was erst in der 2. Internationale erfolgen konnte, nachdem man sich von den Anarchisten getrennt hatte. (siehe dazu: Wolfgang Abendroth, Sozialgeschichte der europäischen Arbeiterbewegung, Arthur Rosenberg, Demokratie und Sozialismus)

b) Die Pariser Kommune als „Leitlinie“ des Bochumer Programms auszugeben, halte ich deshalb für unverfroren, weil die zentrale Problematik dieses historischen Ereignisses die Staatsfrage ist, die im Bochumer Programm überhaupt nicht – außer als Kalauer – behandelt wird. Selbst Co-Autor Robert Schlosser äußert sich zu einer solchen Indienstnahme der Geschichte kritisch: „Zu viel ist jedoch geschehen und zu sehr hat sich die Welt verändert, als das wir einfach an bestimmte Traditionslinien anknüpfen könnten.“ (Marxforum, am 24.12.11) und stellt dagegen: „Das Bochumer Programm basiert aber auf aktuellen Einschätzungen und alle, die daran mitgewirkt haben, haben ihre Lehren aus den Klassenkämpfen – nicht nur der letzten Jahrzehnte, sondern der gesamten bisherigen Arbeiterbewegung gezogen. Egal, wie gründlich oder oberflächlich begründet.“ (Marxforum, ebd. – fett von mir)

2) Als Friedrich der II. (der „Große“) versuchte, zusammen mit seinem Freund Hans Hermann von Katte 1730 vor dem Militärdienst in Preußen nach Frankreich zu fliehen, wurden beide auf Geheiß Friedrich Wilhelm des I. (der „Soldatenkönig“) wegen Fahnenflucht vor ein Militärgericht gestellt. Katte wurde verurteilt. Friedrich Wilhelm der II. ließ das Urteil aufheben und ihn hingerichten, Friedrich der II. wurde nicht verurteilt, weil das Gericht in seinem Fall aufgrund seiner Abstammung sich für nicht zuständig erklärte.

3) Zum Beginn des zweiten Kapitels des „Kapitals“ definiert Marx den Begriff der Charaktermaske im Kapitalismus: „Die Personen existieren hier nur füreinander als Repräsentanten von Ware und daher als Warenbesitzer. Wir werden überhaupt im Fortgang der Entwicklung finden, daß die ökonomischen Charaktermasken der Personen nur die Personifikationen der ökonomischen Verhältnisse sind, als deren Träger sie sich gegenübertreten.“ (MEW 23, S. 99) Und ich stimme Werner Imhof zu, wenn er über die kapitalistische Produktionsweise schreibt: „In diesen verselbständigten und gesellschaftlich respektierten Zwängen liegt der „Terror der Ökonomie“ begründet, nicht in den Charaktermasken, die diese Zwänge exekutieren.“

4) Rudolf Rocker. Prinzipienerklärung des Syndikalismus, Referat auf dem 12. Syndikalisten-Kongress, abgehalten vom 27. bis 30. Dezember 1919

5) Eine anschauliche Problemdarstellung zum Thema des sich internationalisierenden Staates liefert Joachim Hirsch in seinem Aufsatz „Die Internationalisierung des Staates – Anmerkungen zu einigen aktuellen Fragen der Staatstheorie“, desweiteren empfehle ich: Ulrich Brand, Christoph Görk, Markus Wissen: Verdichtungen zweiter Ordnung

6) In diesem Zusammenhang verweise ich auf Evi Genettis Aufsatz Staat Kapital und Geschlecht. Eine Bestandsaufnahme feministischer Staatskritik , der einen entsprechenden Überblick vermittelt, und in dem es heißt: „Ein „androgyner“ Staat ist meinem Verständnis nach deshalb nicht denkbar und möglich, weil der Staat in seiner Form auf einen patriarchalen Spaltungsmechanismus, d.h. die Sphärentrennung zwischen einer „männlich“ definierten, politisierten Öffentlichkeit und einer „weiblich“ definierten, entpolitisierten Privatheit, beruht. Diese Trennung stellt eine zentrale Struktur der patriarchal-kapitalistischen Vergesellschaftungsweise dar. Da der bürgerliche Staat auf diesem Vergesellschaftungsmodus basiert und daraus resultiert, ist er von seiner inneren Struktur her nicht nur notwendig „kapitalistisch“, sondern immer auch „patriarchal“. Die Bestimmung des Staates als „patriarchal“ lässt sich demnach nicht trennen von seiner „kapitalistischen“ Struktur, denn diese selbst ist als „patriarchal“ zu begreifen. Die „patriarchale“ Verfasstheit des modernen Staates lässt sich also aus den grundlegenden Strukturen bzw. Formen der patriarchal-kapitalistischen sozialen Verhältnisse begründen.“

7) Solange die selbstverwalteten Betriebe und Genossenschaften, wie sie bereits im Kapitalismus möglicherweise punktuell entstanden sind und ergänzt werden durch die, die nun in der revolutionären Transformationsperiode des Kapitalismus zum Sozialismus flächendeckend entstehen, ökonomisch als Wirtschaftseinheiten über Ware-Geld-Beziehungen miteinander verbunden sind, bleibt die Arbeitskraft eine Ware (auch wenn das Entgelt nicht mehr „Lohn“ heißen sollte). D.h. gestützt auf die praktischen Erfahrungen mit der jugoslawischen ArbeiterInnenselbstverwaltung, dass die Rechtsform „Genossenschaftlicher Betrieb in Selbstverwaltung“ keinerlei Aussage über den ökonomischen Charakter der Arbeitskraft beinhaltet, ist es neben der Sache, dass Ende der Ware Arbeitskraft nicht von der Wirkung des Wertgesetzes bzw. seiner Aufhebung sondern von der betrieblichen Rechts-/Organisationsform abhängig zu machen.

8) Rudolf Rocker. Syndikalismus und Staat (Der Syndikalist, Nr. 43, 6. Jg. 1924, )

9) Rudolf Rocker. Prinzipienerklärung des Syndikalismus (ebd.)

10) Fritz Kater. Vortrag über die Aufgaben der FAUD und des Syndikalismus, 28. bis 30. Dezember 1924.

11) Die Autoren verstehen sich als ausgewiesene und sachkundige Marxisten, was auf ihren jeweiligen Websites nachprüfbar ist. Siehe dazu Buchenbergs Marx-Forum und Schlossers Bedingungen sozialer Emanzipation.

12) Diese Lücke schließt Wal Buchenberg argumentativ, indem er in seinem Modell „Bochumer Kommune“ fabuliert: „Bezugnehmend auf die Ausführungen von Karl Marx in der Kritik des Gothaer Programms ist es linke Gewohnheit oder gar linkes Dogma, dass im Sozialismus die Deckung des Konsums durch die Produktion auf individueller Ebene berechnet wird, so dass jedes Individuum nur soviel an Konsumtionsmittel erhält, als es an individueller Produktionsleistung für die Gemeinschaft beiträgt. Karl Marx hat diese Verteilung auf der Basis individueller Arbeitsleistung deutlich als „Missstand“ und als „bürgerliches Rechtsprinzip“ gekennzeichnet, das nur „in der ersten Phase der kommunistischen Gesellschaft unvermeidbar“ sei. Ich gehe davon aus, dass die Kommunikations- und Produktionsmittel inzwischen soweit entwickelt sind, dass im 21. Jahrhundert diese „erste Phase der kommunistischen Gesellschaft“ vielleicht nur wenige Wochen oder Monate dauert und deshalb in Modell der „Kommune Bochum“ keine Rolle spielt.„ (fett von mir)

http://www.trend.infopartisan.net/trd0112/270112.html
http://www.trend.infopartisan.net/inhalt.html
http://arschhoch.blogsport.de/2012/01/13/marxo-syndikalismus/?mid=57

http://www.fau.org
syndikate.at

 

 

 


VON: KARL-HEINZ SCHUBERT






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