Let’s talk about class!


Bildmontage: HF

06.04.13
OrganisationsdebatteOrganisationsdebatte, Sozialismusdebatte, TopNews 

 

von khs via NaO-Blog

Die bürgerliche Presse meldet am Osterwochen- ende, daß die VW-Belegschaft in Asien in den letzten vier Jahren um 134 % (von 30.000 auf rund 70.000) gewachsen sei. Weltweit arbeiten für den Konzern zur Zeit 550.000 KollegInnen.

Mit anderen Worten das weltweit agierende Kapital bedient sich einer international zusam- mengesetzten ArbeiterInnenklasse, die ihrer- seits den Verkauf ihrer Ware Arbeitskraft weiterhin unter nationalstaatlichen Regelungen organisieren muss.

Die unter diesen Bedingungen ausgefochtenen Klassenauseinandersetzungen erscheinen den AkteurInnen daher nicht als Teilkampf eines weltweiten Zusammenhangs. In der BRD reicht die Aufspaltung ja sogar soweit, das zeigt der aktuelle Konflikt beim kriseln- den Automobilkonzern GM/Opel, dass die Klasseneinheit gegen den “Opel-Masterplan” nicht mal zwischen den einzelnen Standorten hergestellt werden konnte.

Das lag besonders auch daran, dass die IG Metall und der Gesamtbetriebsrat die kämpf- erischen Teile im Werk Bochum systematisch isolierten und von den Beschäftigen der anderen Standorte abspalteten. Vergleichbar ähnliche Erfahrungen mit der Behinderung von Klassensolidarität machten die kämpferischen KollegInnen bei Neupack. Auch hier war es die Gewerkschaft – nämlich die IG BCE – die den KollegInnen eine Kampftaktik aufdrückte, die den Arbeitskampf gegen die Wand zu fahren droht.

Angesichts dieser Klassenkampfbedingungen ist es geradezu augenfällig, wie wenig links-radikale und revolutionäre Gruppen in ihren Bemühungen bestrebt sind, sich zentralen Fragen zur Klassenstruktur und -politik zu widmen. Stattdessen wird ideo- logisiert.

Sie engagieren sich für Frieden und demokratische Rechte, sie unterstützen Lohnforder- ungen und Mietkämpfe, sie wollen die Umwelt schützen und mehr… d.h. solche Kämpfe sind zwar notwendige Verteilungskämpfe, haben aber mit dem Kampf für eine sozia- listische Gesellschaft herzlich wenig zu tun. Paradoxerweise werden sie von ihren Prota- gonisten aber als Kampf um den Sozialismus gelabelt, weil sie subjektiv nicht in der Lage sind, eine Analyse der Klassenverhältnisse unter Einschluss einer Kapitalkritik zu erarbei- ten, die es erst möglich macht, die Konturen einer erstrebenswerten nichtkapitalisti- schen Gesellschaft sichtbar werden zu lassen – einer Gesellschaft, wie sie sich aus der Negation der heutigen Klassenbedingungen ergibt.

Dass sogenannte Postautonome mit der Klassenfrage nichts am Hut haben, da sie sub- jektivistisch nur eine Betroffenenpolitik – nämlich die “Politik der ersten Person” – be- treiben – ist dagegen wenig verwunderlich. Richtig schädlich wird die Sache dann, wenn sich revolutionär-sozialistisch dünkende Gruppen diesem postautonomen Politikverständ- nis unterordnen (wollen). Nachzulesen hier im NaO-Blog in den Schlussfolgerungen des Artikels des RSB-Autors Jacob.

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung hat errechnet, dass sich in der BRD die Zahl der an Streiks und Warnstreiks beteiligten Beschäftigten gegenüber 2011 mehr als versechsfacht hat – sie stieg von rund 180.000 auf etwa 1,2 Millionen. So ihre Jahresbilanz zur Streikentwicklung 2012. Große Warnstreikwellen in der Metallindustrie und im öffentlichem Dienst sowie ein neuer Höchststand an Arbeitskämpfen im Dienstleistungsbereich haben das Arbeitskampfge- schehen im Jahr 2012 geprägt.

Diese Zahlen zeigen an, dass erheblich Teile der ArbeiterInnenklasse Kämpfe führen, die speziell im Dienstleistungsbereich noch keine Klassenkampftradition haben. In diesen Kämpfen entstehen politische Klassenstrukturen, bzw. wirken auf diese ein, die durch ein hohes Maß an politisch-ideologischer Zersplitterung in Kleinstgruppen gekennzeich- net sind. Kurzum: ein Tummelplatz und Resonanzboden für linke Sektierer.

Wenn es denn eine bewahrenswerte Lehre aus der Geschichte der Klassenkämpfe gibt, dann die, dass ohne die Voraussetzung der selbständigen politischen Organisierung der Klasse gar nichts in Richtung Sozialismus läuft. Daher muss es m.E. heute darum gehen, die Einheit der Klassenlinken über ihre ideologische Zersplitterung hinweg in der Praxis des Klassenkampfes herzustellen. Jedoch nicht um den Preis der Verhunzung des wissenschaftlichen Sozialismus durch politisches Andienern an das kleinbürgerliche(1) postautonome Spektrum.

Deshalb: Let’s talk about class!

1) „Was sie zu Vertretern des Kleinbürgers macht, ist, daß sie im Kopfe nicht über die Schranken hinauskommen, worüber jener nicht im Leben hinauskommt, daß sie daher zu denselben Aufgaben und Lösungen theoretisch getrieben werden, wohin jenen das materielle Interesse und die gesellschaftliche Lage praktisch treiben. Dies ist überhaupt das Verhältnis der politischen und literarischen Vertreter einer Klasse zu der Klasse, die sie vertreten.“ (MEW 8/ 142)

www.nao-prozess.de/blog/lets-talk-about-class

 

 

 

 


VON: KHS VIA NAO-BLOG






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