Kein Bier ohne Alkohol - Kein Kaffee ohne Koffein


Bildmontage: HF

26.07.18
OrganisationsdebatteOrganisationsdebatte, Linksparteidebatte, Debatte 

 

Zur Debatte im SFM ( Sozialistisches Forum München)

Seit einiger Zeit finden im „ Sozialistischen Forum München“ elementare Debatten zum -wie weiter- statt. Streitpunkte sind u.a. die Frage der politischen Mitarbeit bzw. der Intervention in der Partei „ Die Linke“. Grundsätzlich geht es auch um die Frage der revolutionären Organisierung im nationalen und internationalen Rahmen. Ich denke, dass diese Debatte durchaus von überregionaler Bedeutung ist. Zur Diskussion ein Artikel meinerseits.

Warum Organisation- warum Programm

Von Max Brym

Wer auf einer stürmischen Seefahrt ist bracht einen Kompass, sowie eine disziplinierte Crew. Die Gegenwärtigen Verhältnisse sind von starken reaktionären Stürmen gekennzeichnet. Der real existierende Kapitalismus zeigt immer deutlicher seine Fratze. Der Kompass ist die Methodik des revolutionären Marxismus. Auf diesen Kompass kann nicht verzichtet werden. Die Weltwirtschaft ist gekennzeichnet von Überproduktion, Protektionismus, jeder Menge „arbeitslosem“ Geld usw. Die letztendliche kapitalistische „ Krisenlösung“ besteht im Umschlagen der zunehmenden Konkurrenz in militärische Auseinandersetzungen. Der große Kriege steht als Möglichkeit im Raum. Wer glaubt ohne Lenin, Marx und Trotzki, auszukommen gleicht einem medizinischen Scharlatan welcher die elementare Funktion des Herzen, sowie die Blutwerte ignoriert. Wohlgemerkt der Marxismus als Methode nicht als Zitatensammlung. Wer glaubt unorganisiert oder autonom basisdemokratisch agieren zu können irrt ebenfalls. Jede Klasse benötigt eine Partei. Die revolutionäre Partei hat die fortgeschrittenen Arbeiter und Intellektuellen zu organisieren. Eine marxistische Tendenz und letztendlich eine Partei müssen organisiert, um das Klassenbewusstsein kämpfen. Klassenbewusstsein entsteht zwar immer wieder spontan aber genau so schnell verschwindet es auch wieder, wenn nicht die Erfahrung in Form einer Organisation ausgewertet, bewahrt und immer wieder vermittelt wird.

Die Grundprinzipien einer Organisation

Lenin verlangt von einem Parteimitglied 3 Dinge: 1 Akzeptanz des Programms 2. Einen finanziellen Beitrag. 3. Praktische und theoretische Aktivitäten der Mitglieder nach ihren Möglichkeiten. Lenin lehrt dass nur die Überwindung von Aktiva und Passiva in einer Organisation demokratische Debatten erst möglich machen. Die bürgerlichen Parteien leben von dieser Trennung, einschließlich der Linken. Ein bürokratischer Apparat regelt alles und zu Aufstellungsversammlungen erscheint plötzlich ein Teil der passiven Mitglieder. Ergo es gibt nichts demokratischeres als das leninistische Parteimodell. Eine Organisation muss verbindliche Beschlüsse nach demokratisch inhaltlicher Debatte fassen. Dies durchaus im Rahmen des Nationalstaates denn es in der Realität gibt, sowie auf höherer internationaler Ebene. Wer stattdessen Disziplin und Organisation ablehnt hat in Wirklichkeit mit realer Demokratie und Schlagkraft wenig bis nichts zu tun. Ohne die bolschewistische Partei, ohne Lenin und Trotzki, hätte es die Oktoberrevolution nicht gegeben. Nur eine Partei ist imstande den Dampf welcher entsteht in der Funktion des Kolbenzylinders auf den entscheidenden Punkt zu konzentrieren. Eine revolutionäre Partei ist unabdingbar. Eine Partei kann und darf nicht ersetzt werden durch irgendwelche regionalen Zusammenschlüsse. Der Klassengegner ist hochorganisiert im Rahmen des Nationalstaates. Der Repressionsapparat der Bourgeoisie arbeitet nach Plan. Gegen die G 20 Proteste in Hamburg wurden plötzlich Spezialkräfte aus Österreich eingesetzt. Die Produktionsstandorte des Kapitals sind international. Jeder wichtige Streik gegen VW do Brasil kann nur gewonnen werden durch internationale Solidarität und internationale Gegenmacht, in gewerkschaftlicher und politischer Hinsicht Der höchste Ausdruck des Internationalismus ist die internationale politische Organisation. Die


Realität der Weltwirtschaft zwingt die nationalen Abteilungen des Bürgertums entsprechend zu handeln. Von daher darf es nicht nur eine nationale Strategie und Taktik geben, sondern eine internationale. Der Widerspruch zwischen der Internationalisierung der Produktivkräfte und ihrer Einhegung in nationalstaatliche Heimatbiotope führte und führt zu barbarischen Explosionen. Notwendig ist eine Partei bestehend aus Arbeitern und Berufsrevolutionären. Ein Parteikader macht nicht was ihm nach Lust und Laune gerade zusagt, sondern er handelt auf der Basis der ausdiskutierten Beschlüsse. Alles andere ist Kokolores -in einem losen Zusammenhang- ohne jegliche Bedeutung im Klassenkampf.

Das Internet und autonom anarchistische Konzepte

Debatten in den sozialen Netzwerken sind nötig und werden wichtiger. Entscheidend ist aber auch hier die inhaltlich abgesprochene Intervention auf der Basis des marxistischen Programms. Natürlich schreiben dort meist Einzelpersonen, diese müssen aber vorher eine Schulung auf der Basis des Marxismus, sowie des Programms erhalten haben. Wenn das fehlt, fehlt jeder Debatte in den Netzwerken jegliche Substanz. Ohne Partei ohne Marxismus kann das Internet nicht im Sinn revolutionärer Perspektiven genutzt werden. Ohne marxistisches ABC kann weder eine Debatte zu Zizek noch zur „ Frankfurter Schule“ geführt werden. Ohne marxistische Basis oder nur mit „individuellem Marxismus“ ist nichts zu gewinnen. Auch in den Netzwerken entscheidet die geplante Intervention, sprich das Programm und die Organisation alles. Die Erringung der „ kulturellen Hegemonie“ (Gramsci) kann auch im Internet nur organisiert erreicht werden. Wer diese Axiome nicht anwendet, interveniert nur spontan ohne System. Spontan setzt sich jedoch immer wieder die bürgerliche Ideologie durch. Natürlich müssen alle Möglichkeiten des Internets genutzt werden. Wer nichts postet verbaut sich Möglichkeiten. Möglichkeiten der Aufklärung und der praktischen Mobilisierung für Aktionen und praktische Interventionen. Unterschiedliche Talente in einer revolutionären Organisation müssen sich damit befassen.

Lokales und anarchistisches

Wir haben am Rande eine Debatte ob nicht das Internet die revolutionäre Partei und Führung ersetzen könnten. Die Argumente dafür -sind nichts neues- auch wenn das Netz immer mehr technische Möglichkeiten bietet. Warum das Netz Partei und Demokratischen -Zentralismus. ersetzen könnte, wird jedoch nur nebulös angedeutet. Die Argumente wie – Internet gegen Partei- kommt scheinbar modern daher. Tja moderne Zeiten, mehr kommt nicht. Es werden lokale Strukturen- Vernetzungen mit der gesamten Welt als Internetmöglichkeit angedacht. Dies soll die Partei ersetzen, sowie angeblich demokratisch sein. In Wahrheit ist diese Methode uralt und autoritär. Ohne Organisation ohne bekannte und gewählte Personen setzen sich immer nichtlegitimierte Personen durch. Die reale Debatte wird ins Internet verlagert. Der reale Mensch wird nicht mehr gekannt. Die Auseinandersetzung findet nur noch von Wohnzimmer zu Wohn oder Arbeitszimmer statt. Der Individualismus feiert fröhliche Urstände. Natürlich gibt das Internet die Möglichkeit her sich schnell zu informieren bzw. Infos und politische Statements zu verbreiten. Das muss genutzt werden. Allerdings kann, sollte und darf das Netz nicht das Kollektiv ersetzen. Derjenige der geschickt seine Tastatur foltert, darf nicht einfach dadurch zur Führungsfigur aufsteigen. Sich nur im Netz zu bewegen ist -wie Bier ohne Alkohol zu saufen, oder um es drastischer auszudrücken: „ Virtueller Sex statt realer Sex“. Es wird behauptet: Man benötige keine Parteitage oder Parteistrukturen mehr weil das Netz dies alles ersetzen könnte. Das ist auch ohne Netzargumentation ein uralter Ladenhüter der Autonomen, sowie der Anarchisten. In Wahrheit setzen sich in Vereinigungen welche angeblich keine Leitung und Führung haben immer Leute durch, die besser reden und schreiben können. Leute die rhetorisch besser sind als andere. Wenn dann die von diesen Leuten durchgesetzten Aktionen in die Hose gehen

sind alle oder niemand verantwortlich. Alle sind Schuld keiner wird abgewählt. Ich verzichte jetzt mal auf ein klassisches Lenin Zitat zu dieser Frage. Hans Jürgen Krahl erklärte 1968: „ Die antiautoritäre Bewegung benötigt eine antiautoritäre Führung“ In dem kurzen Satz steckt die Dialektik der leninistischen Parteitheorie. Sprich die Arbeiterklasse benötigt eine Führung welche von ihr akzeptiert und kontrolliert wird. Andererseits wird die Arbeiterklasse von ihrer Vorhut im besten Fall überzeugt und angeleitet. Die Mitglieder einer revolutionären Partei müssen alle demokratischen Rechte haben aber auch die Pflicht zur Disziplin gegenüber gefassten Beschlüssen.

Allgemeines

Es gibt kein sinnvolles Leben ohne Politik. Individuen müssen sich zu Strömungen und dann zu einer Partei vereinigen. Immer muss dabei der Blick auf das Reale bewahrt bleiben. In Deutschland müssen Marxisten innerhalb der Linken arbeiten. Austritte aus der Linken sind aufgrund der Erfahrungen mit dem dortigen Apparat menschlich verständlich. Allerdings sind individuelle Austritte ohne weitergehende politische Perspektive inakzeptabel. Marxisten müssen innerhalb der Linken gegen den dortigen Apparat, sowie den kleinbürgerlichen Reformismus kämpfen. Wer einfach aus der Linken austritt verabschiedet sich objektiv vom politischen Kampf. Er oder Sie überlassen, die vielen neu eingetretenen Mitglieder einfach dem Apparat der Linken. Das ist politisch betrachtet verantwortungslos. Dabei helfen auch nicht Argumente wie: „ Ich mache ja weiter Politik“. Dies besonders dann nicht- wenn an der Notwendigkeit organisiert, mit selbständiger Programmatik zu arbeiten- gezweifelt wird. Nicht einmal der Aufbau einer unabhängigen revolutionären Arbeiterpartei wird noch angestrebt. Nur der „ Entrismus innerhalb der Linken wird abgelehnt. Das ist politisches Liquidatorentum. Politische Arbeit in Fachbereichen bzw. in lokale Strukturen können verabsolutiert betrachtet keinen sinnvollen Beitrag im Klassenkampf leisten.







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