Lenin hatte Recht – khs hat Unrecht!


Bildmontage: HF

27.08.12
OrganisationsdebatteOrganisationsdebatte 

 

von DGS_TaP

„Die Herrschaft der Bourgeoisie stürzen kann nur das Proletariat als besondre Klasse, deren wirtschaftliche Existenzbedingungen es darauf vorbereiten, ihm die Möglichkeit und die Kraft geben, diesen Sturz zu vollbringen.“
(LW 25, 416 – Staat und Revolution [1])

Das gleiche Lenin-Zitat stellte Gen. khs am Dienstag seinem Artikel bei scharf-links „Das Proletariat als historisches Subjekt“ [2] voran.
Gen. khs meint vermutlich, dieses Zitat gegen die SIB-Antwort an die Antifa Basisgruppe [3], und gegen meinen Formulierungs-Vorschlag für das Essential für eine neue antikapitalistische Organisation der subjektiven RevolutionärInnen (NaO), das bisher „Klassenorientierung“ hieß, [4] richten zu können. (Explizit sagt er dies allerdings nicht.) Dort geht es auch jeweils um die Frage des oder revolutionären Subjekts/e.

Das Kuriose ist nur: In dem Lenin-Zitat steht genau das, wofür ich seit Wochen im NaO-Prozeß – zum Mißfallen des Gen. khs [5] – argumentiere: Das „Proletariat“ (in zeitgemäßer Sprache: die Klasse der Lohnabhängigen) „KANN“ die Herrschaft der Bourgeoisie stürzen! Aber es STÜRZT sie nicht bereits jetzt – das ist aber bei wörtlicher Lektüre das, was die vom Gen. khs verfochtene Formulierung ‚Das Proletariat IST das revolutionäre Subjekt’ besagt.
Die Formulierung Lenins besagt nicht einmal, daß die Klasse der Lohnabhängigen die Herrschaft der Bourgeoisie mit Sicherheit in Zukunft stürzen WIRD (letzteres dürfte der GEMEINTE Sinn des vom Gen. khs verfochtenen Satz sein).

Lenin beschränkte sich nüchtern – ohne jede Geschichtsphilosophie – auf die Aussage: Das Proletariat ist die Klasse, die die Herrschaft der Bourgeoisie stürzen KANN. Ob sie es einmal tatsächlich machen wird, wissen wir nicht.

Kurz bevor Lenin „Staat und Revolution“ schrieb, hatten die Lohnabhängigen zusammen mit den BäuerInnen (Lenin: Wer auf eine reine Revolution wartet, wird nie eine erleben! [6]) in Rußland gerade die Macht der Bourgeoisie auf der Staatsebene gestürzt; auf der Ebene der Herrschaft über den Produktionsprozeß nur höchst teilweise. Später ist ihnen ähnliches in anderen Ländern gelungen.

Ob ihnen dies in Zukunft in anderen Ländern – gar weltweit – durchgreifender und mit dauerhafterem Erfolg als beim ersten Anlauf (in der Nachfolge der Oktoberrevolution) gelingen wird (ja, ob sie es überhaupt erneut WOLLEN werden), WISSEN wir NICHT. Aber wir sollten daran arbeiten! Aber bei dieser Arbeit helfen uns keine geschichtsphilosophischen Glaubenssätze (Marke: ‚Das Proletariat IST das revolutionäre Subjekt.’). Derartige Glaubenssätze verleiten nur dazu, die revolutionäre Arbeit einzustellen, sich zurückzulehnen und zu meinen, dem Weltgeist bei der Arbeit zu schauen zu können.

Lenin wußte, daß er auf DIESE Weise seinen wichtigen Beitrag zur Oktoberrevolution nicht hätte leisten können. – (Wann) wird Gen. khs einsehen, daß er einen wichtigen Beitrag zum Prozeß der Herausbildung einer strömungsübergreifenden – ‚unreinen’ [6] – Organisation der subjektiven RevolutionärInnen erst leisten können wird,
wenn er davon Abstand nimmt, seine privaten Glaubenssätze, die er als private Glaubenssätze gerne behalten kann, dem ganzen NaO-Prozeß verbindlich machen zu wollen [7]?

PS.:
Um einer Einigung mit Gen. khs willen habe ich jetzt im übrigen das vom Gen. khs angeführte Lenin-Zitat in meinem Vorschlag zur Formulierung von NaO-Essential Nr. 4 eingebaut:

www.nao-prozess.de/blog/e-4-parteilichkeit-antagonistische-orientierung-vormals-klassenorientierung/

Ich wüßte gerne, ob dieser Vorschlag einigungsfähig ist.

[1] marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/staatrev/kapitel2.htm
[2] www.scharf-links.de/266.0.html
[3] www.nao-prozess.de/blog/sib-antwortet-basisgruppe-antifa-mit-lenin-ums-ganze-kaempfen/
[4] www.nao-prozess.de/blog/e-4-parteilichkeit-antagonistische-orientierung-vormals-klassenorientierung/
[5] Siehe bspw. – um nur drei Beispiele zu nennen –: www.nao-prozess.de/blog/kurzstatement-zum-begriff-subjektive-revolutionaere/, www.nao-prozess.de/blog/baerendienste-und-was-daraus-folgt/ und www.nao-prozess.de/blog/die-naechsten-schritte/ sowie meine Antworten: www.nao-prozess.de/blog/wie-die-sib-das-proletariat-entsorgte/, scharf-links.de/266.0.html (v. 6.8.12) und theoriealspraxis.blogsport.de/2012/08/17/fuenf-fragen-an-den-gen-khs/.
[6] „Wer eine ‚reine‘ soziale Revolution erwartet, der wird sie niemals erleben.“ (http://www.mlwerke.de/le/le22/le22_326.htm#Kap_10)
[7] In seinem scharf-links-Artikel von Dienstag schreibt Gen. khs: „Wenn nun der AKKA seinerseits vorschlägt die ‚Klassenorientierung’ auf Platz 1 der Agenda einer ‚Neuen antikapitalistischen Organisation’ zu setzen, dann dient dies nicht nur dazu, das Adjektiv ‚antikapitalistisch’ im genuin marxistischen Sinne [...] zu füllen [...], sondern auch einer poststrukturalistischen Revision des Marxismus eine Absage zu erteilen.“ – Ich antwortete darauf im NaO-blog (aus Anlaß der dortigen Erstveröffentlichung des Textes von khs):
„In der Sache: Begründe doch mal bitte bei Gelegenheit den Revisionismus-Vorwurf! Zur Methode: Die Organisation, deren Gründung wir anstreben, exklusiv auf den Marxismus (sogar auf eine bestimmte [hier: anti-strukturalistische] Marx-Lesart!) festzulegen, widerspricht dem grundlegenden Gedanken, des SIB-Vorschlages, auf dessen Grundlage wir uns hier zur Debatte zusammengefunden haben: ‚Soll die Überwindung sowohl der unverbindlichen ‚Konferenzeritis’ als auch des sektiererischen Zirkelwesens wirklich gelingen, müssen ‚Marxismus’ und ‚Autonomie’, Links-Sozialisten / Links-Kommunisten und Bewegungslinke eine solidarische und kontroverse, ergebnisoffene und zielgerichtete Debatte anfangen.’ ‚Deshalb muss es u. E. in einer revolutionären Organisation das Recht auf die Bildung von Tendenzen / Plattformen geben, ohne dass das dazu führt, sich nur noch mit sich selbst zu beschäftigen.’ (http://www.nao-prozess.de/blog/neue-antikapitalistische-organisation-na-endlich-worueber-muessen-wir-uns-verstaendigen-und-worueber-nicht/)“ (http://www.nao-prozess.de/blog/das-proletariat-als-historisches-subjekt-ergaenzende-persoenliche-anmerkungen-zum-akka-vorschlag/#comment-2914, Abschnitt 2.)
Vgl. dazu auch: theoriealspraxis.blogsport.de/2012/08/17/einige-politische-fragen-an-den-akka/ (Frage 5.).


VON: DGS_TAP






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