Zwei Seiten einer Medaille: Lehrkräftemangel und schlechte Arbeitsbedingungen

30.01.18
HessenHessen, Kultur, News 

 

Von GEW Hessen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen hat eine deutliche Verbesserung der allgemeinen Arbeitsbedingungen im Schulbereich angemahnt, um dem zunehmenden Lehrkräftemangel zu begegnen. Die Vorsitzende der hessischen GEW, Maike Wiedwald, sagte dazu heute in Frankfurt: „Selbst das Kultusministerium muss zugeben, dass es an den Grundschulen nach wie vor unbesetzte Stellen gibt. Und über zehn Prozent der Kolleginnen und Kollegen an den hessischen Grundschulen verfügen nicht über die der jeweiligen Stelle entsprechenden Qualifikation. Diese Mangelsituation hat mit der systematischen Abwertung des Berufs der Lehrerin und des Lehrers zu tun.“ Zudem müssten auch die Ausbildungskapazitäten an den Universitäten und an den Studienseminaren weiter ausgebaut werden, so Wiedwald.

Das Kultusministerium hatte zum Schuljahresbeginn im Sommer 2017 eingestehen müssen, dass rund 100 Stellen an hessischen Grundschulen nicht besetzt waren. Diese Stellen konnten noch immer nicht, wie vom Kultusminister erhofft, in Gänze nachbesetzt werden. Die GEW Hessen befürchtet, dass sich zum kommenden Schuljahr noch größere Lücken auftun werden, denn der Lehrkräftebedarf wird aus mehreren Gründen weiter ansteigen: Zum einen erfordern der Ausbau von Ganztagsschulen sowie die Umsetzung der Inklusion zusätzliches qualifiziertes Personal, zum anderen müssen viele Stellen neu besetzt werden, da zahlreiche Lehrkräfte in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden. Im Schuljahr 2016/2017 waren 2.454 Lehrkräfte an den hessischen Grund-, Haupt- und Realschulen 60 Jahre oder älter, werden also in absehbarer Zeit aus dem Schuldienst ausscheiden. Zudem ist auch in den kommenden Jahren mit weiter steigenden Schülerinnen- und Schülerzahlen zu rechnen, da die Zahl der Geburten in Hessen seit zehn Jahren ansteigt. So wurden im Jahr 2016 in Hessen 60.730 Kinder geboren, 2006 waren es noch knapp 10.000 weniger.

Wiedwald verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine gerade erschienene bundesweite Studie, die von Sozialwissenschaftlern der Universität Göttingen im Auftrag der GEW erstellt wurde. Den Wissenschaftlern zufolge arbeiten Lehrkräfte deutlich länger als von den geltenden Arbeitszeitregelungen vorgesehen. Dieser Befund sei auch für Hessen zutreffend: „Das Land hat den hessischen Lehrerinnen und Lehrern immer mehr Aufgaben übertragen, ohne die damit einhergehende steigende Belastung angemessen zu kompensieren. Hinzu kommt, dass Hessen im Bundesländervergleich bei der Berücksichtigung der Pflichtstundenzahl seine Lehrerinnen und Lehrer nicht besonders gut bezahlt. Wir benötigen daher auch eine deutliche Arbeitszeitverkürzung, damit die gestiegenen Arbeitsanforderungen bewältigt werden können und auch, um den Beruf wieder attraktiver zu machen. Nicht zuletzt aus diesem Grund müssen deutlich mehr Lehrkräfte ausgebildet werden.“

Der Mangel an Grundschullehrkräften ist kein ausschließlich hessisches Problem, sondern ist bundesweit zu verzeichnen. Dies hat die GEW zu einer bundesweiten Hintergrundrecherche zur aktuellen Situation auf dem Lehrkräftearbeitsmarkt veranlasst. Deutschlandweit fehlen demnach akut rund 2.000 Grundschullehrkräfte. Hinzu kommt, dass viele Stellen nur mit Seiteneinsteigerinnen und -einsteigern, die über keine Ausbildung als Grundschullehrkraft verfügen, besetzt werden können.

 







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