Strafanzeige gegen Eisner Kurt, geb. 14.5.1867


Bildmontage: HF

09.11.18
BayernBayern, Kultur, Arbeiterbewegung 

 

Von Deutscher Einheit(z)-Textdienst

Sehr geehrter Herr Eisner,
die in diesem Jahr stattfindenden öffentlichen Feiern und Erinnerungen an eine sogenannte Bayerische Räterepublik vor 100 Jahren nehmen wir zum Anlaß, ge-gen Sie post mortem eine Strafanzeige wegen revolutionärer Umtriebe in Bayern zu stellen.
Nach Überprüfung der rechtlichen Situation gelangen wir zu der Erkenntnis, daß von Ihnen nach wie vor große Gefahr für die Freiheitlich-Demokratische Grund-ordnung ausgeht. Bereits im Jahr 1933 wurde – um dies für alle Zukunft zu ver-hindern - Ihre Urne von der damaligen Grabstätte entfernt und im Neuen Israelitischen Friedhof in München eingegraben. Das war leider nicht erfolgreich.
Die von Ihnen nachstehend ausgeübten Verbrechen rechtfertigen jedenfalls nach juristischer Prüfung auch heute noch Ihre strafrechtliche Verurteilung – auch wenn diese nur post mortem stattfindet.


1. So haben Sie sich ab November 1918 wochenlang zusammen mit anderen sogenannten Revolutionären (Landauer, Mühsam, Toller) revolutionärer Umtriebe im Bayerischen Königreich schuldig gemacht, deren Folgen bis zur Gegenwart andauern und aktuell mit einem großen Wahlerfolg für die Grüne Partei zu beobachten sind.

2. Sie haben erheblichen Schaden an dem Bayerischen Thronfolger genom-men, ihn von seinem Königreich vertrieben, sein Vermögen nicht angetas-tet, sondern ihm seine Leibwäsche, die er vergessen hat, nachgeschickt - sowie 600.000 Reichsmark als Entschädigung. Dies hatte zur Folge, daß er danach sehr beleidigt war, nie mehr zurückgekommen ist und es in Bayern seither keinen König mehr gibt.


3. Sie haben Demonstrationen und Kundgebungen ohne Anmeldung durch-geführt, was gegen das Versammlungsrecht verstößt sowie einen soge-nannten „Freistaat“ ausgerufen, zu dem sie seinerzeit nicht legitimiert waren, außerdem haben Sie gegen mehrere Bestimmungen des Polizei-aufgabengesetzes verstoßen.


Da Sie sich durch Ihre Ermordung im Februar 1919 der juristischen Verurteilung entzogen haben – und weil nach wie vor große Gefahr mit Umsturzplänen von Ihnen post mortem ausgeht, stellen wir deshalb Strafanzeige wegen fortgesetzter gefährlicher revolutionärer Umtriebe sowie der widerrechtlichen Gründung eines Bayerischen Freistaates. Ihre Grabstätte wird bis zum Prozessbeginn observiert.


Hochachtungsvoll Ferdinand Sturmwieser
Justizamtmann







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz