Die Legende der CSU-Mehrheit in Bayern


Bildmontage: HF

19.10.17
BayernBayern, Debatte 

 

Von Richard Albrecht, Akademie Freies Denken

Es gibt die seit Jahren großmedial propagierte Politlegende: In  Bayern hält die CSU seit der letzten Landtagswahl am 15. September 2013 die absolute Mehrheit der Wählerstimmen im Bundesland. Das einzige, was daran richtig ist: Die CSU hat eine absolute Mehrheit der Mandate im Landtag.

Wie das?

Wahlberechtigt waren 9,4 Millionen Bayer(inne)n. Davon wählten 63,6 Prozent. Und von diesen 1,6 Prozent ungültig. Verbleiben 5,88 Millionen abgegebene gültige Stimmen. Von diesen erhielt die CSU 47,8 Prozent, also 2,80 Millionen relevante Stimmen. Das waren etwa 29,8 Prozent aller Wahlberechtigten. Sie ergaben infolge eines diese wirkliche Wirklichkeit verzerrenden antidemokratischen Verrechungssystems 101 Mandate oder Sitze im 2013 gewählten bayrischen Landtag mit insgesamt 180 Sitzen oder Mandaten. 101 von 180 sind tatsächlich 56 Prozent. Also eine absolute Mehrheit.

Die Legende der absoluten CSU-Mehrheit in Bayern beruht damit auf einer doppelten Verkehrung: Erstens der CSU-Minderheit von etwa 30 Prozent der Wahlberechtigten in eine relative Mehrheit von etwa 48 Prozent der gezählten Stimmen. Und zweitens auf der Überführung dieser errechneten relativen Mehrheit der Stimmen in eine absolute Mehrheit der Mandate oder Sitze im Landtag. Diese doppelte Verkehrung stellt zugleich die wirksame doppelte Verzerrung der gesellschaftlichen Wirklichkeit dar. Und sie verweist auch auf Grenzen angewandter Aufklärung.

 

Quellen https://de.wikipedia.org/wiki/Landtagswahl_in_Bayern_2013 (darauf eigene Berechnungen); R. Albrecht, Nichtwähler als teilbekannte Wesen; in: soziologie heute, 7 (2014) 38: 28-31; ders., Politische Soziologie; in: soziologie heute, 9 (2016)  50: 42.







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