Lesung Präkels tifft Auerbach Horb 9.10.2019


Foto: Lothar Eberhard

07.10.19
BerlinBerlin, News 

 

Von Lothar Eberhard

„Kaltland“ trifft „Deutsches Stiefmutterland“ - Manja Präkels auf Moses Baruch (Berthold) Auerbach

Am 9. Oktober liest, die in Zehdenik/Mark aufgewachsen Roman Debütantin aus 2018 Manja Präkles aus ihrem in siebten oder gar schon achten Auflage erschienen Buch „ Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ im Berthold Auerbach Museum.

Nur 2. Tage nach dem 70. ten Gründungsjahr eines vor 30 Jahren unter gegangenes Land ist sie 1974, dem 25.ten Gründungsjahr des „Arbeiter- und Bauernstaates“ geboren.

Kaum 5. Tage nach ihrer Rückkehr von ihrer mehrwöchigen Reise auf der kultur-trächtigen Seidenstrasse ist die Destination Horb schon ihre dritte Lesestation.

Berthold Auerbach, damals, auf Heimatbesuch. Für sie eine der vielen Lesetermine.

Präkels und Auerbach im literarischen Werk zu vergleichen, ist nicht beabsichtigt. Parallelen schon. Reisen gehört bei beiden zum geschäftigen Erfahrungsraum. Über 12 Dekaden sind ihre Schaffensperioden auseinander. Die Themen und der Gegenstand in ihren Werken: die Ängste der Zeit und die „tausend Gedanken des Menschenfreudigen“ daraus beschreibend.

Die in 2011von Präkles mit herausgegebenen Anthologie „Kaltland“ nehmen die Aufsätze zwei Jahrzehnte nach der Wende, den „neuen Rassismus“ und die oft fehlende Perspektive der Opfer sowie die verharmlostende Rolle der Neonazi in Blick. Manja war mit ihrem Essay „Schnapskirschen“ darin vertreten. Eine erste Skizze zum späteren lebensgeschichtlichen Roman, der Dreijahrzehnte danach zur Leipziger Buchmesse 2018 erschien.

Ihr „Leidenswerk“ trifft offensichtlich eine Leerstellen und den „Zeitgeist“. Die „Schnapskirschen“ sind im letzten Jahr gleich zweimal mit dem Jugendliteraturpreis und Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet worden.
Die Begründung der Jury nach der „DDR-Schriftstellerin“ benannten Preises:
"Gegen die Verwirrungen unserer Zeit setzt Manja Präkels die Genauigkeit ihrer Sprache und ihrer Beobachtung".

Im Spannungsbogen zu Auerbach, da hilft uns Rosemarie Schuder‘s „Deutsches Stiefmutterland - Wege zu Berthold Auerbach“. ( Lass in dne Nuller-Jahren in Nordstetten.) Sie schildert faktenreich aus seinem „Gedankenapparat“ und „Menschenwald“ und erzählt vom „Deutschtümmeln“ seiner Berliner „Hofjuden-Zeit“ um 1880. Die Essayistin ziselierte aus den Redeschlachten zur „Agitation gegen jüdische Staatsbürger“ im Parlament fein den politischen Unbill und deren Folgen heraus. Sein verzweifeltes Resümee war: „Vergebens gelebt und gearbeitet“.

Was verbindet die beide Autoren? Sie sind „Berliner“, leben in der Metropole der Macht und sind aktiv am Zeitgeschehen interessiert und im Alltag beteiligt. Zeitzeugen. Beobachter. Akteure und „menschenfreudig“ Chronisten ihrer Zeit.
Sie erzählen von daheim, dem Fremdsein, Ausgrenzungserfahrungen und die Einflüsse politischer und gesellschaftlicher gewaltiger Ein- und Umbrüche. Ihrer Hilflosigkeit. Ihre Kritik am „Zeitgeistes“ ist die inhaltliche verbindet Brücke über alle zeitlichen Täler hinweg.

Manja, die Leadsängerin des „Singenden Tresen“, Lyrikerin, Texterin, Autorin und jüngst mehrfache Literaturpreisträgerin, kenne ich als langjährige kultur-politische Weggefährtin. Über die Organsiation der Mühsamfeste, dem Festival „Vorsicht Volk“ habe ich ihr Kulturschaffen auch zuvor als Haus- und Hoffotograf des „Singenden Tresen“, begleitet.

Auf die Lesung in meiner Heimatstadt freue ich mich dabei zu sein. Ich hatte mir doch vorgenommen, dass ich mir ihr Erstlingswerk komplett von ihr vorlesen lassen möchte.

Manja‘s Lesung sind von ihrer Zeitzeugenschaft, Glaubwürdigkeit getragen und ihren Erfahrungen als „Rampensau“ in ihrem kulturellen Schaffen und den vielen Lesungen der letzten Monate bestens erprobter Erlebnisraum.

Ihre Auszüge aus den 230 Seiten ihres Erstlingswerkes vermittelt Manja kurzweilig mit all ihrem Schwermut in von ihr erfahrene Alltagswiderwärtigkeiten. Das Biografische eingebunden in Alltagspolitisches, spricht sie von Scham, dem Schweigen, den den Tabus, Lügen und über die „neuer Normalität“ in unserem Alltag der geeinten Republik.
Ja, letztendlich schreibt sie über die Tolpätschle und andere Dorfgeschichten unserer Zeit abgebildet und kritisch reflektiert an der soziale komplexen Wirklichkeit heute.

Mit ihrer „Kaltland-Reportage“ setzt sie Auerbachs „Deutsches Stiefmutterland“-Erfahrungen ein ebenbürtiges literarisches Denkmal.

Wer es am Mittwoch zu der Lesung mit Gespräch nicht schafft, ist auf ihr zweites Format mit ihren Musik-Kollegen hingewiesen. Hier in der Region dan in der nähe am 23. Oktober in Tuttlingen.

Kirschen mit Musik …..


Mi. 23. Oktober, 20 Uhr

Manja Präkels: „Kirschen mit Musik“

begleitet von Thorsten Müller (Klarinette) und Benjamin Hiesinger (Kontrabass)

Stadthalle

Tuttlingen

 

 

Weitere Tourdaten entnehmt hier:

 

https://www.gedankenmanufaktur.net/2019/10/oktober-november-2019/?fbclid=IwAR2idxEv5zaDViLoi1hYroxxoL_GlrBW6V24G7_-jvmKXPmY_8UCXifS2Ms







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